"Wir können es uns nicht erlauben, potenzielle Maßnahmen nur halbherzig zu nutzen", betonte Katja Kipping in einem Interview mit dem "Frühstart"-Format von RTL und ntv am Donnerstagmorgen. Besonders kritisierte sie die aktuell geltende, mit nur drei Jahren recht kurze Verjährungsfrist, in der Unterhalt eingefordert werden kann. Kipping spricht sich für deutlich längere Fristen und einheitliche Strukturen aus, etwa in Form einer bundesweiten Inkasso-Stelle, um notorische Zahlungsverweigerer wirksamer zu verfolgen. Sie sieht das Problem, dass es durchaus Elternteile gibt, die tatsächlich nicht zahlen könnten – auf der anderen Seite aber auch viele, die es schlicht nicht wollten und mit diversen Tricks ihre Zahlungsfähigkeit verschleierten. Statt die Leistung für 16- und 17-Jährige einfach zu streichen, träfe die Maßnahme hauptsächlich Alleinerziehende, die sowieso unter massivem Druck stehen. Besonders häufig seien es Mütter, die zwischen Job, Kindern und Behördengängen zerrieben würden. Kipping bemängelte zudem, dass Jugendliche auch nach Vollendung des 16. Lebensjahres weiterhin Kosten verursachen, etwa durch Ausbildung, Schulweg oder Freizeit. Daher dürfe die Verantwortung des Staates nicht beim 16. Geburtstag enden: „Gerade hier sollte die öffentliche Hand Stärke zeigen und konsequenter gegen Unterhaltsflucht vorgehen."
Katja Kipping spricht sich deutlich gegen die geplante Begrenzung des Unterhaltsvorschusses auf das 16. Lebensjahr aus und mahnt stattdessen eine Verschärfung der Maßnahmen gegen unterhaltspflichtige Elternteile an, die sich vor Zahlungen drücken. Sie fordert längere Verjährungsfristen, bundesweit einheitliche Durchsetzungsstrukturen und mehr Engagement des Staates für Alleinerziehende – typischerweise Mütter –, die ohnehin vielfach benachteiligt sind. In aktuellen Debatten wird außerdem darauf hingewiesen, dass in Deutschland rund 1,6 Millionen Kinder von Alleinerziehenden leben, wobei die Zahl der säumigen Unterhaltszahler weiterhin hoch ist und durch bestehende Gesetze nur mangelhaft geahndet wird. Ebenso zeigen neue Zahlen laut Familienministerium, dass im Jahr 2023 über 800.000 Kinder auf Unterhaltsvorschuss angewiesen waren, Tendenz steigend – was Reformbedarf unterstreicht. Kritiker der geplanten Kürzungen warnen, dass dies Familien in finanzielle Not bringt und eine nachhaltige, rechtliche Verfolgung – etwa über ein bundesweites Inkassobüro – bislang fehlt.