Manchmal fragt man sich, wie viele Straßennamen, Museumsstücke oder sogar vermeintlich harmlose Exponate im Alltag eigentlich vergessene Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte erzählen. Tanja Bührer, Historikerin und Professorin für Globalgeschichte in Salzburg, widmet sich in ihrem gerade erschienenen Buch den zermürbenden Kolonialkriegen Deutschlands in Ostafrika zwischen 1885 und 1914. In lebendiger Sprache und mit einem klaren Blick für Widerstände der afrikanischen Gruppen vor Ort, deckt sie die enge Verstrickung von Gewalt, Unterdrückung und der Expansion des europäischen Imperialismus auf – Geschichten, die sich nicht in alten Büchern verstauben lassen.
Parallel dazu bietet die Ausstellung "Geschichte(n) Tansanias" im Humboldt Forum eine Art lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Erarbeitet gemeinsam mit dem National Museum of Tanzania sowie Menschen aus Tansania, werden bisher selten erzählte Perspektiven sichtbar. Die Ausstellung unterstreicht mit Nachdruck: Koloniale Raubzüge, wie auch der Transfer kulturellen Erbes, haben Landschaften, Gesellschaften und Identitäten bis heute geprägt und verändert. Und ja, im Rahmen der Buchpräsentation verkauft die Buchhandlung im Forum das besagte Werk – vielleicht auch ein kleines Signal, sich der eigenen Geschichte nicht zu entziehen.
Zur Person
Bührer forscht seit Jahren an der Schnittstelle von Kolonialgeschichte, Gewalt und globalen Zusammenhängen. Ihre Arbeit als Beraterin beim ZMSBw und ihr nüchterner, aber nie distanzierter Blick machen ihre Bücher lesenswert – auch für jene, die sonst einen weiten Bogen um Militärgeschichte machen. Die Details dazu gibt’s übrigens auch auf der offiziellen Webseite.
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Ursprungsmitteilung: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, bereitgestellt durch news aktuell
Die Kolonialvergangenheit Deutschlands, besonders in Ostafrika, ist nach wie vor ein gesellschaftliches und politisches Reizthema – nicht zuletzt, weil die unmittelbaren Auswirkungen der Kolonialkriege bislang zu wenig im Fokus der Öffentlichkeit standen. Tanja Bührers neues Buch, erschienen beim Reclam Verlag, bietet eine facettenreiche, kritische Analyse deutscher Expansion und afrikanischen Widerstands. Die Ausstellung im Humboldt Forum geht dabei neue Wege: Sie bringt nicht nur Artefakte und Erzählungen zusammen, sondern schafft durch die Mitwirkung tansanischer Communities Raum für Dialog und neue Narrative. In Medien und Wissenschaft wird derzeit verstärkt diskutiert, wie mit der Rückgabe von Kulturgütern und der Aufarbeitung kolonialen Unrechts ein angemessener Umgang gefunden werden kann. In aktuellen Leitartikeln – etwa auf Spiegel Online und Zeit Online – wird kritisch gefragt, wie Erinnerung tatsächlich auf Augenhöhe stattfinden kann und ob symbolische Akte wie Restitutionen für die Aufarbeitung ausreichen. Dabei wird auch hinterfragt, welchen Einfluss der verstärkte mediale und politische Fokus auf Kolonialmuseen und Aufarbeitung auf gesellschaftliche Bildung und das Bewusstsein über die koloniale Vergangenheit Deutschlands hat.