Mit einer Mischung aus Selbstironie und Nachdenklichkeit positionierte sich Kubicki im aktuellen Berlin Playbook Podcast: Er sei nicht die Zukunft der FDP – aber jemand müsse den Laden neu aufstellen, damit es überhaupt eine Zukunft gebe. Als erste Namen für sein künftiges Team nannte er unter anderem Martin Hagen für das Amt des Generalsekretärs und stellte den Einzug von Linda Teuteberg, Susanne Seehofer, Katja Suding sowie Maria Westphal ins Präsidium in Aussicht. "Wir brauchen endlich mehr Frauen und neue Gesichter vorne – das ist kein Selbstzweck, sondern überfällig, weil wir sonst an der Realität vorbeiwurschteln", so Kubicki. In der Sache machte er sich für die Abschaffung des umstrittenen § 188 StGB stark, den er als überflüssig und sogar schädlich für politische Debatten sieht: "Politikerinnen und Politiker sind keine Zartbesaiteten. Dieser Paragraf ist ein Anachronismus und bringt uns eher Ärger als Nutzen." Wirtschaftlich möchte er weniger staatliche Eingriffe und pochte darauf, dass nur eine starke private Wirtschaft Wohlstand sichern könne – „der Staat muss auch mal kürzertreten lernen." Wie lange er persönlich an der Spitze bleiben will? "Keine Ahnung – kann sein, dass ich in drei Jahren längst wieder von den hinteren Bänken aus zuschaue." Auf jeden Fall wolle er den Staffelstab an eine neue Generation weitergeben.
Kubickis Vorstoß trifft einen Nerv in einer kriselnden FDP: Viele Parteimitglieder fordern schon länger mehr Frauen an den Schalthebeln und kritisieren ein verstaubtes Image. Während die Abschaffung von § 188 StGB durchaus kontrovers diskutiert wird – gerade mit Blick auf die Verrohung politischer Debatten – sieht Kubicki darin einen notwendigen Schritt für eine freiere Auseinandersetzung. Auch nach aktuellem Stand (Juni 2024) steht die FDP in Umfragen massiv unter Druck, was den Ruf nach Reformen und neuen Gesichtern – nicht nur von Männern – immer lauter werden lässt. In der laufenden Debatte um den Umbau der FDP ist außerdem auffällig, wie stark parteiinterne Gräben zwischen Traditionsbewussten und Reformern werden – etwa auch angesichts der zurückhaltenden Haltung zu Gender-Themen. Im Hintergrund brodelt der parteiinterne Flügelkampf, mit dem Kubicki möglicherweise einen neuen Auftakt zu mehr Progressivität markieren will.