Es ist schon bezeichnend: Während die Politik sich ambitionierte Ziele in Sachen Klima und Naturschutz stecken möchte, fühlen sich die Menschen, die tagtäglich Feld und Wald in Schuss halten, ausgebremst. Prof. Dr. Andreas Bitter (AGDW-Präsident) ringt bei der Vorstellung der Kampagne #LandschafftZukunft! sichtlich mit dem Widerwillen gegenüber einer Vorgabe, die scheinbar mehr Theorie als Erfahrungswissen atmet. 'Was hilft uns eine Rückkehr zu historischen Zuständen, wenn wir längst im Klima von morgen leben?', fragt er – nicht ohne eine gewisse Bitterkeit. Für Waldbesitzer, Landwirte und alle im ländlichen Raum Engagierten klingt das, was in Brüssel als ambitionierte Wiederherstellung natürlichen Lebensraums gefeiert wird, vielmehr nach einem Rückschritt: Einschränkungen, die die Bewirtschaftung erschweren, hohe Ungewissheit und zusätzlich ein administratives Dickicht, das keiner mehr durchschaut. Max von Elverfeldt (Bauernverbände) hält nicht hinterm Berg: Die Verordnung bedrohe die Versorgungssicherheit, verteuere Grundnahrungsmittel und schränke die Wirtschaftskraft der Regionen ein. 'Wir erkennen die Ziele des Green Deal an, aber so machen wir das Gegenteil', fasst er die Stimmung zusammen. Im Herbst 2025 kam schon von 11 Bundesländern Kritik: Arbeitsüberlastung, realitätsferne Vorgaben und Zeitdruck. Die Kampagne setzt nun bewusst auf Erfahrungsberichte und Videos aus dem Alltag, um zu zeigen, wie viel Sachverstand und Einsatz im ländlichen Raum steckt – und dass Vertrauen in die Praxis mehr bringt als neue Paragraphen. Die Kernbotschaft ist deutlich: Für Umweltschutz und zukunftsfähige Strukturen braucht es Spielraum – und keine weiteren Fesseln. Wer sich ein Bild machen will, findet unter www.unser-green-deal.de/landschafftzukunft/ weitere Materialien.
Die Debatte um die EU-Wiederherstellungsverordnung (W-VO) spaltet derzeit die Landwirtschaft: Land- und Forstwirtschaftsverbände befürchten, dass weitreichende, bürokratische Regelungen zulasten der produktiven Flächenwirtschaft in Deutschland gehen und die Ernährungssicherheit wie die Versorgung mit Rohstoffen bedrohen. Besonders kritisiert werden der hohe Bürokratieaufwand, wenig Spielraum für regionale Lösungen sowie eine Ausrichtung an historischen Zuständen statt an aktuellen Herausforderungen wie fortschreitenden Klimawandel und Fachkräftemangel. Kritische Stimmen kommen dabei nicht nur aus der Branche, sondern auch von Bundesländern und Teilen der Politik, während Umweltverbände die Verordnung als überfällig für den Schutz von Biodiversität betrachten. Neue Recherchen zeigen: Die Bundesregierung steht innenpolitisch unter Druck, eine Brücke zwischen Wiederherstellungszielen und Machbarkeit zu schlagen, da etwa naturnahe Flächen Renaturierungspotenzial bieten, gleichzeitig aber die Zahl der Betriebe sinkt. Parallel dazu steigt laut Angaben der FAZ und taz (Stand: Mai/Juni 2024) der gesellschaftliche Streit um die Verteilung von Flächen zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Energiegewinnung – eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht.