Lara Wilkin: Wie Prothetik zur Lebensaufgabe wird – Zwischen persönlicher Herausforderung und internationalem Engagement

Leipzig/Dortmund – Gerade arbeitet Lara Wilkin an ihrer Promotion über Prothetik für die oberen Gliedmaßen. Bei der OTWorld – dem großen Branchentreffen für Hilfsmittelversorgung – teilt sie ihre Erfahrungen mit neuester Prothesen-Technik. Als Initiatorin der Arm Prosthesis Community und als Peer-Beraterin engagiert sich Wilkin insbesondere für den offenen Austausch unter Betroffenen. Ihre eigene amputierte Hand prägt nicht nur ihre persönliche Sicht, sondern auch ihren fachlichen Einsatz für bessere Versorgungslösungen.

heute 11:46 Uhr | 3 mal gelesen

Es gibt Momente, die alles auf den Kopf stellen. So war es auch bei Lara Wilkin, als nach einem komplizierten Knochenbruch im Herbst 2019 ihr linker Unterarm amputiert wurde. Was nach einer tragischen Wendung klingt, entpuppte sich bald als Startpunkt für eine Reise voller Eigeninitiative, Lernlust und Disziplin. Die richtige Prothesenversorgung war dabei nur der erste Schritt. Wilkin wollte nicht nur technisch optimal versorgt sein – sie wollte auch andere Betroffene ermutigen, sich zu vernetzen und gemeinsam neue Wege zu finden. Ein Aha-Moment: Im Krankenhaus suchte sie – oft vergeblich – nach fundierten Infos, Erfahrungsaustausch, unkomplizierter Unterstützung. "Es macht einen Unterschied, ob man mit Ärzten oder mit Leuten spricht, die das selbst durchlebt haben", so Wilkin. Aus dieser Lücke entstand erst die Idee, selbst Peer zu werden, und daraus wuchs 2021 die Arm Prosthesis Community. Heute verbindet dieses Netzwerk Menschen in mehr als zwei Dutzend Ländern. Peer-Support ist für Wilkin eine Art Kompass: Ohne sie hätte sie vieles schwerer und einsamer durchgestanden. Die besonderen Anforderungen bei der Gestaltung von Armprothesen gerieten schon früh in ihren Blick: Der Arm ist immer sichtbar, er gehört fast schon zur Körpersprache. Orthopädietechniker André Wohlatz aus Münsterland, dem sie sich anvertraute, verstand sofort, dass hier Einfühlungsvermögen genauso wichtig ist wie fachliche Raffinesse. "Erst wenn Prothesen nicht nur funktionieren, sondern sich als Teil des Selbst anfühlen, ist wirklich etwas gewonnen – und das passiert nicht von allein," sagt Wilkin. Mittlerweile bringt sie ihr Wissen regelmäßig auf internationalen Fachkongressen ein – und nicht selten rückt sie dabei den Alltag und die Nöte von Nutzer:innen ins Rampenlicht. Denn die Technik hinter modernen Prothesen ist längst nicht alles: Akzeptanz, kulturelle Unterschiede, und echte Teilhabe im Entwicklungsprozess sind Themen, die sie immer wieder einbringt. "Kritisches Feedback und Offenheit für neue Perspektiven sind der Treibstoff für Fortschritt", so Wilkin. Für Forschung und Weiterentwicklung testet sie immer wieder neue Systeme, entwickelt Trainings, bleibt im ständigen Dialog – sowohl mit der Industrie als auch mit anderen Nutzenden. Ihre Promotion an der MedUni Wien dreht sich genau um diese Schnittstellen: Wie kann technische Innovation noch besser den Alltag der Betroffenen durchdringen? Auch ihre regelmässigen Termine bei André Wohlatz zeigen: Hilfsmittelversorgung ist ein Prozess. "Es gibt keinen fixen Zustand. Immer wieder gibt es neue Herausforderungen – aber mit der richtigen Begleitung wird daraus ein gemeinsames Lernen", sagt Wilkin. Auf der OTWorld 2026, einem der wichtigsten Events im Bereich Orthopädie-Technik, wird sie gleich mehrere Fachvorträge halten – etwa zu individuellen Trainingsprogrammen, neuen Ansätzen in Design und Material, sowie zur internationalen Perspektive auf Akzeptanz und Individualität. Interessierte finden mehr Infos und Tickets unter www.ot-world.com.

Lara Wilkin transformierte ihre eigene Amputation in eine Lebensaufgabe – als Forscherin, Aktivistin und Expertin für Armprothetik. Ihr Engagement verbindet technische Innovation, Peer-Beratung und internationale Zusammenarbeit, wobei sie die Nutzer:innen-Perspektive konsequent in die Weiterentwicklung der Prothesenlandschaft einbringt. Neuere Entwicklungen verweisen darauf, dass gerade im Bereich der Individualisierung und Nutzer-Einbeziehung die künftige Richtung der Prothetik liegt. Aktuell beschäftigen sich Artikel renommierter Medien auch damit, wie personalisierte Hilfsmittel Versorgungslücken schließen, die Bedeutung von Peer-Netzwerken für psychische Betreuung sowie der Innovationsdruck im Bereich Prothetik. Experten sehen politisch und wirtschaftlich die Notwendigkeit, den Zugang zu modernen Hilfsmitteln auszubauen – in Deutschland und international. Forschung betont zunehmend die Zusammenführung von Anwenderfeedback und Technikentwicklung, um dauerhafte Akzeptanz und Unabhängigkeit zu ermöglichen.

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