Lebensgeschichten bewahren: Wie Manuel Kröger Frauen hilft, ihre Autobiografie zu schreiben

München – Es ist schon seltsam: Ein Leben – so voll, so facettenreich – und dennoch landen die meisten Erlebnisse einfach als lose Anekdote im Familienkreis oder als vergilbte Notiz im Schrank. Besonders Frauen, die nach zahlreichen Höhen und Tiefen ihre Spuren hinterlassen haben, fragen sich irgendwann: Wie halte ich all das fest, was mich und meine Zeit geprägt hat? Wie wird daraus ein echtes Buch – und eben nicht nur eine lose Sammlung von Erinnerungsfetzen?

heute 13:23 Uhr | 7 mal gelesen

Es gibt diese Leben, die im Rückspiegel plötzlich als großes, dichtes Knäuel dastehen: Episoden aus Jugend und Erwachsensein, Geschichten von Aufbruch, Umwegen, Erfolgen – wenn man Glück hat, sogar handfesten Skandalen. Aber die wenigsten bringen all das wirklich zu Papier. Dokumente stapeln sich, Fotos verstauben, und das Gefühl bleibt: Die eigene Geschichte wäre eigentlich ein Buch wert, aber der Berg scheint unerklimmbar. Genau an diesem Punkt holt Manuel Kröger, der Kopf hinter „Meine Autobiografie“, seine meist weiblichen Kundinnen ab. Er schafft Strukturen, lässt sie ihre Erinnerungen im Zwiegespräch neu entdecken, und webt aus Einzelteilen einen roten Faden. „Wenn diese Lebensgeschichten verblassen, verlieren Familien nicht nur schöne Anekdoten, sondern auch ein Stück Wurzeln und Identität“, sagt Kröger.

Dabei läuft bei ihm nichts nach Schema F ab: Es beginnt mit einem unkomplizierten Kennenlernen, ein erstes Abtasten. Wer will, bekommt Zeit und Raum, um das Why und das Wie zu klären, bevor es weitergeht. Klar, wenn gegessen, dann reden – oder so ähnlich. Nach dem lockeren Einstieg folgt ein Gespräch, das gerne auch mal zwei Stunden dauern kann, in präsenter Atmosphäre, ob digital oder am heimischen Küchentisch. Hier wächst nicht nur das Konzept, sondern auch das Gefühl, ob die Chemie stimmt. Inhalte werden freigelegt, Kapitel gerahmt, und Themen, die vielleicht noch im Schatten stehen, werden erfasst. Besonders wichtig dabei: Es ist ein gemeinsames Unterfangen – kein Diktat von außen.

Reizvoll ist Krögers Ansatz, das eigentliche Erzählen in Interviews zu gießen. Wie viele Geschichten sich erst im Sprechen entfalten, merkt man meist erst, wenn man sich drauf einlässt. Diese Gespräche, manchmal lang, gelegentlich emotional oder überraschend, bilden das Rohmaterial. Hartnäckig bohrt Kröger nach, lässt auch tiefere Schichten zu Wort kommen und bietet sogar – etwas ungewöhnlich und erstaunlich wirksam – optionale Hypnosesitzungen an (ausschließlich auf Wunsch, versteht sich). Das Ziel: Erinnerungen an die Oberfläche bringen, die sonst dem Vergessen ausgeliefert wären. Kein Zwang, kein Hokuspokus, aber die Möglichkeit, alte Türen neu zu öffnen. Zwischen den Zeilen: Rund ein Fünftel seiner Kundinnen nutzt dieses Angebot tatsächlich.

Die jeweiligen Interviews bringen schnell 200 bis 500 Seiten Material, die transkribiert, sortiert, verdichtet werden. Mit Spürsinn für Dramaturgie und dem Mut, an Ecken und Kanten festzuhalten, arrangiert Kröger das Ganze dann zu Kapiteln, ergänzt bei Bedarf durch Gespräche mit Weggefährtinnen oder Familienmitgliedern. Auch Gedichte, Briefe und Bilder landen im Manuskript, falls gewünscht. Besonders markant: Er meidet künstliche Intelligenz wie die sprichwörtliche heiße Herdplatte – alles bleibt Handarbeit! Von der Struktur bis zum Lektorat, Layout und Umschlag-Entwurf.

Der Austausch mit der Kundin reißt nie ab. Kapitel gehen zur Kontrolle, Erinnerungen werden geschärft, bis ihre Ausdrucksweise durchscheint. Feinarbeit ist Ehrensache! Erst am Schluss – nach sensationell vielen Abstimmungen – kommen die letzten Schritte: Doppelte Lektorats-Runde, individuelles Buchdesign, dann die Beratung zur passenden Druckerei (oft im Ausland wegen des Preises, warum nicht). Rechte bleiben selbstverständlich bei der Autorin. Launch-Event? Auch das geht, um das fertige Buch im Kreis von Familie, Freunden und Weggefährtinnen zu feiern.

Die Idee zu seinem Angebot wurzelt für Kröger persönlich in der Zusammenarbeit mit einer alten Dame, Frau Riemer. Sie war 88, als sie sich meldete, und hatte schon Listen, Zeitstrahlen und Fotoordner – aber ein Buch daraus? Undenkbar. Die beiden trafen sich regelmäßig, arbeiteten allmählich jedes Puzzlestück ein. Erst zum 90. Geburtstag konnte sie ihr Leben als Werk in den Händen halten. Das bewegte Kröger tief, besonders als – nach dem Tod der Kundin – bei der Trauerfeier aus ihrem Buch vorgelesen wurde. Dafür, sagt er, lohnt sich der Aufwand – und deshalb hat er das Projekt 2025 als eigenständige Marke ausgegründet. Klar ist für ihn: Lebensgeschichten verdienen mehr als lediglich, irgendwo verloren zu gehen.

Der professionelle Biografierdienst 'Meine Autobiografie' wendet sich vor allem an Frauen im fortgeschrittenen Alter, die ihre Erinnerungen nicht einfach verlieren wollen, sondern schriftlich sichern möchten. Manuel Krögers Ansatz verzichtet auf KI-basierte Automatisierung und beruht stattdessen auf intensiven Interviews, Einfühlungsvermögen und individueller Begleitung, wobei auch Hypnose zur Reaktivierung tiefer Erinnerungen angeboten wird. Durch die enge Zusammenarbeit und das kontinuierliche Feedback entsteht am Ende ein sorgfältig gestaltetes, persönliches Buch – und gerade solche Werke werden zunehmend als wichtiges Element für familiäre Erinnerungskultur und gesellschaftsgeschichtliche Perspektiven erkannt.

Aktuelle Recherchen zeigen zudem, dass das autobiografische Schreiben in Deutschland immer stärker nachgefragt wird. Der demografische Wandel, der wachsende Wunsch nach Hinterlassen eines eigenen Vermächtnisses und die Entwicklungen im Self-Publishing begünstigen diese Tendenz. Gerade Frauen, die jahrzehntelang gesellschaftlich weniger sichtbar waren, entdecken die Autobiografie zunehmend als Möglichkeit der Emanzipation und Selbstbefragung, was sich auch in der vermehrten Präsenz einschlägiger Beratungsdienste widerspiegelt. Auch in Medienberichten wird die Frage nach Authentizität, der Bewahrung gelebter Erfahrungen und dem Wert familiärer Überlieferung immer wieder thematisiert.

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