Laut 'Spiegel' steht das bundesweite Leseförderprojekt 'Lesestart 1-2-3' vor dem Aus – zumindest aus finanzieller Sicht. Bislang lief es eigentlich ganz simpel: Eltern bekamen bei den obligatorischen U6- und U7-Kinderarztterminen ein Kinderbuch geschenkt. Ein kleines Ritual, bei dem nicht selten die Wartezimmerplauderei kurz Pause machte: Sollte, so die Grundidee, den Kleinen das Tor zur Sprache und zum Lesen öffnen. Die Stiftung Lesen, die bislang das Heft in der Hand hatte, kritisierte das geplante Aus mit Nachdruck – Sprecherin Laura Trost sagte, es sei schlicht zu spät, erst in der Kita loszulegen. Man erreicht über den Kita-Weg eben nicht alle Kinder, zumal nicht jedes Kleinkind tatsächlich hingeht. Die U-Untersuchungen treffen (fast) alle. Ergänzung: Für Dreijährige gibt’s die Bücher auch in einigen Bibliotheken, was gefühlt ein bisschen wie Trostpreis klingt. Seit 2011 läuft die Nummer, satte 40 Millionen Euro hat das bisher gekostet – naja, Bildung ist eben kein Discount-Angebot. Das Ministerium selbst versteckt sich hinter dem Argument, jede Projektförderung sei irgendwann vorbei, beteuert aber wie wichtig Lesekompetenz eigentlich sei. Irgendwie bleibt ein schaler Nachgeschmack. Werden demnächst noch andere Frühförderprogramme auf der Kippe stehen?
Das Leseförderprogramm 'Lesestart 1-2-3', das Eltern von ein- und zweijährigen Kindern beim Arztbesuch mit Büchern versorgt, wird ab 2027 laut Entscheidung des Familienministeriums wohl nicht weiter finanziert. Begründet wird die Entscheidung mit der zeitlichen Befristung üblicher Projektförderungen, obwohl der Nutzen für frühe Sprachentwicklung unbestritten ist. Kritiker warnen, dass besonders Kinder, die nicht in die Kita gehen, abgehängt werden könnten; denn die Vorsorgeuntersuchungen sind oft der einzige Weg, diese Zielgruppe zu erreichen.
Weitere Recherchen zeigen, dass Experten und Verbände die Streichung als Rückschritt für die Chancengleichheit bewerten – besonders in Familien mit weniger Zugang zu Büchern. Die Lesekompetenz in Deutschland stagniert oder verschlechtert sich sogar, wie aktuelle Studien nahelegen, weshalb viele Bildungsforscher betonen, wie wichtig niederschwellige Angebote wie 'Lesestart' sind. Im Zuge wachsender Debatten über Bildungsgerechtigkeit und die Folgen der Corona-Pandemie wird die Frage, wie frühkindliche Leseförderung gestaltet sein sollte, immer drängender.