Lindner teilt gegen Merz aus: Zoff um die Kapitalrente entflammt

Christian Lindner, der einstige Bundesfinanzminister und langjährige Kopf der FDP, hat Friedrich Merz (CDU/amtierender Bundeskanzler) wegen dessen Aussagen zur Kapitalrente ungewöhnlich scharf attackiert. Merz' Bemerkung, die Reform würde dem heimischen Kapitalmarkt zig Milliarden bescheren, hält Lindner für reichlich naiv.

heute 17:30 Uhr | 2 mal gelesen

„Da fragt man sich ehrlich, was Herr Merz früher eigentlich beruflich getrieben hat“, höhnte Lindner gegenüber dem 'Tagesspiegel' – und man spürt förmlich, wie der frühere Finanzminister die Stirn runzelt. Die Überlegung, dass eine Kapitalrente dem deutschen Finanzplatz einfach pauschal 30 Milliarden zuschustert, erstaune ihn doch sehr. Lindner empfiehlt stattdessen ein viel breiteres Risikoverständnis: Aus seiner Sicht sollte das angesparte Vermögen hauptsächlich global gestreut investiert werden – schließlich sei ein bunter Mix aus internationalen Anlagen robuster und verspräche mehr Rendite. Interessant fand Lindner auch, dass die SPD offenbar zum ersten Mal bereit sei, an der heiligen Kuh Rente mit 63 zu rütteln oder das Renteneintrittsalter irgendwie zu verlängern. Für ihn wirkt das fast wie eine kleine Revolution, weil diese Grundpfeiler für die Sozialdemokraten sonst immer tabu waren. Sollte es wirklich dazu kommen, wäre das ein dickes Plus für Deutschland – und ein Prestigeerfolg der Union im ewigen Koalitionsgerangel. Aber ehrlich gesagt rechnet Lindner damit, dass etwa Manuela Schwesig und ihre Genoss:innen solchen Plänen noch einen Strich durch die Rechnung machen dürften. Nach den Landtagswahlen, meint Lindner, könnten ganz neue Köpfe in der SPD Führung beanspruchen. Beim Thema Aktienrente blitzt ein wenig Enttäuschung bei Lindner durch: Sein Modell wurde in den Ampel-Verhandlungen massiv verwässert, fast verwindet. Während sich die SPD als überraschend kompromissbereit zeigte, blockierten die Grünen laut Lindner viel nachhaltiger. Noch ironischer: Der denkbar schärfste Gegenwind kam damals ausgerechnet von dem Mann, der heute als Bundeskanzler im eigenen Fahrwasser schwimmt.

Lindner hat Friedrich Merz in Bezug auf das Konzept der Kapitalrente deutlich kritisiert und dessen Aussagen als unverständlich bezeichnet. Er selbst argumentiert für eine internationale Diversifikation der Altersvorsorge-Investitionen und sieht in der aktuellen SPD-Debatte, die Rente mit 63 oder die Lebensarbeitszeit anzugehen, einen historischen Tabubruch. Neuere Berichte zeigen: Die Diskussion um kapitalgedeckte Altersvorsorge, Lebensarbeitszeit und die Rolle der Koalitionspartner ist weiter hochbrisant – insbesondere angesichts stockender Reformen und zunehmend unsicherer Rentenfinanzierung. Die aktuelle Nachrichtenlage verstärkt das Gefühl, dass die Altersvorsorge in Deutschland an einem Scheideweg steht: Während die Union mehr Kapitalmarkt wagen will, herrscht bei den Ampel-Parteien vor allem Misstrauen gegenüber einem zu starken Fokus auf Aktien und Fonds. Nicht zuletzt warnen Verbraucherschützer davor, dass ein einfaches Verschieben von Milliarden an die Märkte nicht automatisch zu höheren Renten oder mehr Sicherheit für künftige Pensionäre führt. Die deutsche Rentenpolitik bleibt damit ein toxisches Terrain zwischen alten Dogmen, Parteirivalitäten und echten Strukturproblemen.

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