So nüchtern formuliert Reichinnek ihren Vorwurf: „Selbst die eh schon mageren Hoffnungen übertrifft der aktuelle Gesetzesentwurf an Negativität.“ Wenn das Ziel gewesen sei, Frust in Kitas weiter zu vergrößern, dann sei das ziemlich gelungen. Sie sieht nicht nur die steigenden Kosten aus dem Fokus geraten, sondern auch die sowieso schon klammen Rahmenbedingungen. Von einer echten Verbesserung lasse sich ohnehin nicht sprechen, wenn von ein paar Alibimaßnahmen nur ein Bruchteil der Einrichtungen profitiere – die berühmten zehn Prozent. Der Rest: Schaut weiter in die Röhre. Sprachtests hält Reichinnek ebenfalls für ökonomisch wenig sinnvoll, da es schlicht am notwendigen Personal fehle, um daraus überhaupt Konsequenzen für die Kinder zu ziehen. Sie bringt es auf den Punkt: „Die Leute vor Ort wissen längst, was Sache ist – ändern können sie mangels Fachkräften trotzdem nichts.“ Alles in allem – und das ist fast schon erschütternd ehrlich – würde sich am Zustand der Kitas mit dem Gesetz wohl gar nichts ändern. Eher im Gegenteil: Zeit, das Problem wirklich anzugehen, bevor nichts mehr läuft.
Die Kontroverse um das vorgeschlagene Kita-Gesetz spiegelt die tiefe Sorge wider, ob damit drängende Herausforderungen wie Personalnot, Platzmangel und Qualitätsstandards überhaupt angegangen werden. Aktuelle Recherchen zeigen, dass auch andere Parteien und Verbände Alarm schlagen: In mehreren Bundesländern werden ähnliche Kürzungen kritisiert, etwa das Streichen von Fördergeldern oder die Verlagerung von Verantwortung auf Kommunen ohne entsprechende Mittel. Verschiedene Fachkräfteverbände mahnen, dass es ohne eine nachhaltige Investition – sowohl in Personal als auch in Infrastruktur – perspektivisch zu einem massiven Qualitätsabfall kommen könnte, was für Familien im Alltag unübersehbar bliebe. Hinzu kommt, dass mit der geplanten Reform laut Expert*innen die soziale Schere weiter auseinandergehen könnte, da vor allem belastete Stadtteile kaum profitieren. Parallel dazu mehren sich Berichte über Fachkräfte, die ihren Beruf wegen Überlastung aufgeben – ein systemisches Problem, das weiter zu wachsen droht.