Der Ton wird rauer: Dennis Radtke, Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und selten um klare Worte verlegen, hat sich im Vorfeld der Wahl in Sachsen-Anhalt ungewohnt drastisch geäußert. Eine Kooperation der CDU mit der AfD stehe für ihn außer Frage – das wäre ein Schritt über eine rote Linie, von deren Rückseite es keinen Weg mehr gibt. Wörtlich sagte Radtke, jede noch so kleine Annäherung, explizit auch auf persönlicher Ebene, gebe der Partei einen Riss, der sich nicht mehr kitten ließe.
Gefragt, ob er für jeden einzigen CDU-Angeordneten in Sachsen-Anhalt bürgen würde, erklärte er ungewöhnlich offen: "Wer sich sicher fühlt, holt sich schnell eine Verbrennung – Hand-feuer-Garantien gebe ich nicht." Eindeutig sei jedoch: Wer die AfD mitträgt, ist raus aus der CDU, so Radtke fast lapidar.
Dass er selbst der Partei noch angehören würde, blieb für Radtke mit Blick auf die Reaktion der Bundesführung offen: Toleriert die Spitze einen Bruch mit dem Unvereinbarkeitsbeschluss, sieht Radtke die CDU als gescheitert. Ein Gedankenspiel, das ihm sichtlich Sorge macht: "Wir dürfen diesen Fehler nicht machen. Die AfD würde sonst auf ganzer Linie gewinnen."
Als Alternativmodell empfiehlt Radtke einen Blick nach Thüringen und Sachsen: Dort habe die CDU Wege gefunden, Mehrheiten zu organisieren, ohne Linke zum Koalitionspartner zu machen. Wie das in Sachsen-Anhalt konkret aussehen könnte? Offen. Da müssten die Akteure vor Ort kreativ werden.
Beide Parteien – AfD und Linke – sieht Radtke kritisch, aber nicht gleich gefährlich. Während Teile der Linken für ihn zweifelhaft sind, sieht er in der AfD aufgrund der rechtsextremen Einstufung jedoch eine unmittelbare Bedrohung für die Demokratie.
Radtke mahnt eindringlich zur Einhaltung des bisherigen CDU-Kurses: Keine Zusammenarbeit mit der AfD, keine Weichzeichnerei. Interessant ist seine Betonung, dass auch innerparteiliche Graubereiche – etwa ein Einzelner, der aus der Reihe tanzt – drastische Konsequenzen nach sich ziehen müssten. Im politischen Alltag erleben wir jedoch, dass solche Grenzen oft weniger klar verlaufen als in Wahlslogans. In Sachsen-Anhalt könnte nach aktuellem Umfragebild tatsächlich eine schwierige Regierungsbildung anstehen – sowohl Spiegel als auch die FAZ berichten von wachsenden Spannungen und Ungewissheit. In ähnlichen Debatten warnen verschiedene CDU-Politiker bundesweit zunehmend davor, die Brandmauer zur AfD aufzuweichen, insbesondere angesichts des wachsenden Drucks in ostdeutschen Landesverbänden. Die Thematik bleibt hochaktuell: Erst gestern hat Friedrich Merz im TV explizit betont, dass für die CDU auf allen Ebenen keine Kooperation mit der AfD infrage komme. Neben parteiinternen Diskussionen schalten sich zudem zivilgesellschaftliche Gruppen in Sachsen-Anhalt ein, die für Klarheit und Transparenz in der Positionierung gegen Rechts eintreten.