Wer hätte das gedacht? Laut der frischen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen – diese kleine, aber einflussreiche Instanz misst regelmäßig das politische Fieber im Land – holten die Grünen ordentlich auf: plus zwei Prozentpunkte, nun bei 14 Prozent. Die Linke, oft schon totgesagt, steht mit ebenfalls zwei Prozentpunkten Zugewinn bei beachtlichen 13 Prozent. Die SPD, einst unumschränkter Platzhirsch und Volkspartei, muss sich auf nur 12 Prozent zurückfallen lassen – ein Minus von einem Prozentpunkt. Was die anderen betrifft: Die AfD bleibt zwar stärkste Kraft, ist mit 27 Prozent jedoch einen Prozentpunkt schwächer als zuletzt. Unverändert auf Platz zwei steht die CDU/CSU mit 23 Prozent (-1). Bemerkenswert auch: Die FDP verharrt auf mageren vier Prozent, was nicht mal für den Einzug ins Parlament reichen würde. Die sonstigen Parteien erreichen inzwischen sieben Prozent (minus eins). Ungeachtet der Zahlen: Gewählt haben rund 1.284 Bürgerinnen und Bürger, bunt gemischt via Festnetz, Handy und Internet zwischen dem 14. und 16. Juli – mal ehrlich, manchmal fragt man sich, was das wohl für ein Querschnitt ist.
Der jüngste Stimmungsumschwung im Politbarometer stellt nicht nur die Reihenfolge der etablierten Parteien auf den Kopf, sondern legt auch eine wachsende Unzufriedenheit der Wähler:innen mit den klassischen Volksparteien offen. Vor allem das schwache Abschneiden der SPD zeigt, wie stark die politische Mitte ins Straucheln geraten ist – überraschend, dass gerade die Grünen und die Linke von dieser Verschiebung profitieren, während die Unionsparteien und AfD leicht verlieren. Hintergrund sind wohl neben tagespolitischen Debatten auch strukturelle Sorgen wie Inflation, Energiepolitik und die generelle Unsicherheit, die den Wahl- und Protestwillen befeuern. In den letzten Stunden berichteten auch andere Medien über dieses Umfragebeben und diskutieren die politischen wie gesellschaftlichen Folgen, etwa im Hinblick auf kommende Wahlen, Koalitionen und die parlamentarische Landschaft.