Manchmal fragt man sich ja wirklich, ob jede Forderung nach militärischer Präsenz gleich ein Schritt auf der Eskalationsleiter ist. Ulrich Thoden, der sich im Bundestag mit Verteidigungsfragen herumschlägt (und vermutlich genug Aktenberge sieht), ist da jedenfalls skeptisch: Die Idee von Dänemarks Verteidigungsminister Poulsen und Nato-Chef Rutte, gemeinsam mit der Nato nach Grönland zu ziehen, scheint für ihn der völlig falsche Weg zu sein. Ganz ehrlich, das Argument, man dürfe auf vermeintliche Gefahr nicht sofort mit mehr Soldatenschuhen reagieren, klingt für mich durchaus nachvollziehbar. Es ist dieser typische Dominoeffekt: Ein Land rüstet auf, das nächste zieht nach – und am Ende schaut niemand mehr durch, warum es überhaupt angefangen hat. Thoden glaubt jedenfalls, dass so eine Aktion exakt in Trumps Argumentationsmuster passt, nämlich die Behauptung, Grönland könne sich gegenüber Russland und China nur mit starker militärischer Schulter schützen. Dabei gibt es ja bereits Nato-Verteidigungspläne für die Arktis. Man könnte auch anders vorgehen, schlägt Thoden vor, und sich zum Beispiel auf die OSZE verlassen: Die hat tatsächlich eigens Mechanismen für solche Konflikte – vielleicht etwas bürokratisch, aber jedenfalls nicht gleich mit Uniformträgern.
Thoden warnt davor, Trumps These zu bestätigen, dass militärischer Schutz Grönlands durch die Nato gegen Russland und China nötig sei, obwohl bereits Verteidigungspläne existieren. Statt einer Präsenz von Soldaten plädiert er für diplomatische Instrumente, etwa die Einbindung der OSZE und deren Schiedsgerichtshof, der gerade für solche Streitigkeiten gedacht sei. Die Debatte um Grönland fügt sich in eine größere Diskussion um die Militarisierung der Arktis ein – ein Trend, der laut aktuellen Berichten nicht nur zwischen Nato und Russland, sondern auch mit Blick auf neue Wege durch das schmelzende Eis zunehmend für Spannungen sorgt. Nach aktuellen Medienanalysen bezieht sich die Debatte um Grönland auf jüngste Strategiewechsel der Nato zur Anpassung an Klimawandel-bedingte geopolitische Verschiebungen. Auch Bürgerrechtler und Umweltaktivisten kritisieren, dass eine militärische Aufrüstung die fragile Region zusätzlich belasten und lokale Bevölkerungen weiter an den Rand drängen könnte.