Was sich wie Science-Fiction liest, ist jetzt bittere Realität aus Berlin: LiveEO, hierzulande Pionier in Sachen KI-gestützte Satellitendaten, startet mit Twinspector eine eigene Gruppe von Satelliten, die gezielt zum Überwachen wichtiger Infrastruktur ausgerichtet ist – seien es Stromnetze, Bahnlinien oder Straßen. Bemerkenswert? Bis dato gab es in Deutschland keinen nennenswerten kommerziellen Anbieter, der 3D-Bilder der Erde in dieser Qualität und Auflösung liefern konnte.
'Wir haben eigentlich alles vor der Haustür, was die Raumfahrt braucht. Aber noch zu selten wird es verknüpft', sagt Sven Przywarra, einer der Gründer. Mit Twinspector will man genau das ändern – und dabei nicht einfach irgendein Tech-Projekt vorantreiben, sondern dringend benötigte Fähigkeiten für Europa schaffen. Der Bedarf nach solchen hochauflösenden Bildern kommt dabei von den Märkten, aus Energie, Mobilität und allem, was heute als 'kritische Infrastruktur' gilt.
LiveEO fuhr das Projekt drei Jahre lang unter dem Radar, um die Architektur passgenau auf tatsächliche Anforderungen zurechtzuschneiden – ein Ansatz, den Raumfahrtexperte Manfred Krischke ausdrücklich lobt: 'Hier steht nicht die Hardware im Mittelpunkt, sondern der konkrete Nutzen für die Kund:innen.' Dass LiveEO zur Umsetzung ein Netzwerk aus deutschen Technologiepartnern, von Reflex Aerospace bis Engineering Minds Munich, eingebunden hat, lag laut Daniel Seidel an der überraschend hohen Qualität und Flexibilität dieser heimischen Anbieter.
Auch politisch ist das ein Knackpunkt: Die Kontrolle über eigene, unabhängige Erdbeobachtungsdaten gewinnt angesichts internationaler Spannungen enorm an Bedeutung. Europa setzt sich damit ein Stück weit von ausländischer Technik ab, was nicht zuletzt auch für Journalismus, Umwelt- und Krisenmanagement neue Chancen eröffnet. Tatsächlich arbeitet LiveEO inzwischen fest mit der WirtschaftsWoche zusammen – mehr als 370 Wirtschafts-Folgen wurden mit den Satellitenbildern aufbereitet.
Technologisch interessant ist außerdem die Aufgabe, riesige Datenmengen schon im All auszuwerten – mehrere GPUs pro Satellit machen's möglich. Damit lassen sich zum Beispiel die Höhen von über einer Million Bäume in weniger als einer Sekunde messen – was bisher für Umweltschutz oder auch Verkehrsplanung so schlichtweg noch undenkbar war. Zu den Firmen, die schon jetzt auf LiveEO setzen, zählen u.a. die Deutsche Bahn und E.ON.
LiveEOs neu entwickelte Twinspector-Satellitenreihe schließt eine entscheidende Lücke in der europäischen Erdbeobachtungstechnologie, indem sie erstmals kommerzielle, hochauflösende 3D-Daten speziell für die Überwachung kritischer Infrastruktur liefert. Diese Initiative unterstreicht den politischen und wirtschaftlichen Willen Deutschlands und Europas, sich unabhängiger von ausländischen Anbietern zu machen, was angesichts geopolitischer Unsicherheiten wichtiger wird – besonders für Bereiche wie Energie, Verkehr, Umweltmanagement oder Medien. Zusätzliche aktuelle Berichte weisen darauf hin, dass Satellitendaten zunehmend auch für die Dokumentation von Umweltveränderungen (z.B. bei Überschwemmungen), für die Früherkennung von Katastrophen sowie für innovative Geschäftsmodelle und die Sicherheit digitaler Netze genutzt werden – ein rasant wachsender Markt, in dem deutsche Technologie sich nun stärker positioniert.