Lulas Vision: Neue Weichen für die globale Zusammenarbeit

Brasiliens Staatschef Lula da Silva sieht im bevorstehenden Freihandelsvertrag zwischen Mercosur und EU ein bahnbrechendes Signal für die Zukunft der internationalen Politik – gerade jetzt, wo Zusammenhalt nicht selbstverständlich ist.

heute 14:46 Uhr | 5 mal gelesen

Eigentlich eine erstaunliche Entwicklung: Nach über einem Vierteljahrhundert diplomatischer, wirtschaftlicher und politischer Verhandlungen stehen die Staaten des südamerikanischen Mercosur-Bündnisses und die Europäische Union kurz davor, ein Freihandelsabkommen zu unterzeichnen. Lula, Brasiliens Präsident, schwankt irgendwo zwischen diplomatischer Euphorie und nüchterner Weltpolitik, wenn er in einem Beitrag für die FAZ nicht nur von ökonomischer Tragweite, sondern von einer ganz anderen, größeren Vision spricht. An diesem Abkommen hängt für ihn mehr als der Austausch von Waren und Dienstleistungen – er sieht darin einen Gegenentwurf zu all den Tendenzen, die aktuell in Richtung Protektionismus und nationalen Egoismus treiben. Was Lula herausstellt: Der Vertrag demonstriere, dass zwei so unterschiedliche Blöcke sich durchaus auf Gemeinsamkeiten einigen können – wenn man will. Und das ist schon bemerkenswert, immerhin sind die Verhandlungen mehrfach ins Stocken geraten, ob wegen Umweltauflagen, Agrarsubventionen oder schlicht politischer Umbrüche. Doch der Deal steht, so scheint es, kurz bevor. Lulas Blick geht dabei über den reinen Handel hinaus: Er glaubt, nur echte Zusammenarbeit – nicht Abschottung oder Drohkulissen – könne Frieden stiften, Gewalt verhindern und den Herausforderungen der Klimakrise begegnen. Besonders angesichts von wachsendem Extremismus und der Lust einiger Akteure auf Alleingänge erscheint ihm der Abschluss als Lichtblick. Noch ein Gedanke, der etwas hängen bleibt: Lula sieht den alten Multilateralismus – einst nach dem Zweiten Weltkrieg geboren – als etwas, das seine Bedeutung keineswegs verloren hat. On top gibt’s von Lula den Appell, die Welt gerechter, inklusiver und aktiver mitzugestalten. Hm, ist das naiv oder gerade jetzt notwendig? Darüber lässt sich streiten.

Lula da Silva, Präsident Brasiliens, betrachtet das Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur als einen Meilenstein, der weit über ökonomische Aspekte hinausgeht. Für ihn signalisiert der Abschluss, dass trotz wachsender nationaler Abschottung und politischer Extreme Zusammenarbeit und Multilateralismus nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig sind – insbesondere, um globale Probleme wie Frieden und Klimaschutz gemeinsam zu bewältigen. In aktuellen Nachrichten wird berichtet, dass die Verhandlungen tatsächlich in eine entscheidende Phase eingetreten sind: Trotzdem gibt es bis zuletzt noch Streitpunkte, etwa beim Thema Umweltstandards, die insbesondere von europäischen Staaten betont werden, und bei bestimmten Agrarprodukten, bei denen Widerstände in großer Skepsis münden. Neuere Stimmen, etwa aus der deutschen, französischen oder argentinischen Politik, heben hervor, wie sehr das Abkommen aktuell Symbolwirkung hat – als Gegenmodell zur Tendenz der Entkopplung und Blockbildung. Gleichzeitig weckt es aber auch Ängste, etwa vor Übervorteilung kleinerer Märkte oder zu schwachen Kontrollen. Interessant: Ein endgültiger Textentwurf soll noch diesen Monat stehen.

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