Viele der hier lebenden ukrainischen Männer hätten Deutschland auf legale Weise betreten und nach derzeitigem Stand nichts Unrechtmäßiges getan. Interessant fand ich übrigens den Einwurf von Makeiev: Er warf leicht ironisch die Frage auf, was Deutsche im eigenen Kriegsfall tun würden – und das ist eigentlich eine dieser Fragen, die im öffentlichen Diskurs selten wirklich offen gestellt werden. Natürlich, die Ukraine braucht dringend neue Rekruten, das betont der Diplomat. Die gesamte Angelegenheit bekommt dadurch zusätzliche Brisanz, auch weil über eine Million Geflüchtete inzwischen recht gut Fuß gefasst haben – nicht zuletzt durch über 300.000 arbeitende Ukrainer, die aktiv ins Sozialsystem einzahlen. Neben Zahlen und Paragrafen steckt da auch die Frage drin: Welche Verantwortung trägt das Gastland gegenüber den Schutzsuchenden, gerade wenn die Heimat sie für den Krieg mobilisieren will?
Im Kern wendet sich Botschafter Makeiev gegen Forderungen, ukrainische Männer im wehrfähigen Alter zur Rückkehr in die Ukraine zu verpflichten – da hierzu sowohl die Rechtsgrundlage als auch passende Verfahren in Deutschland fehlen. Das Spannungsfeld zwischen humanitärer Verantwortung, Arbeitsmarktintegration und dem Mobilisierungsbedarf der Ukraine sei laut Makeiev komplex, zumal ein erheblicher Teil der Geflüchteten mittlerweile als Arbeitskräfte in die deutsche Gesellschaft integriert ist. In den letzten Tagen berichteten zahlreiche Medien vermehrt über die dramatische Personalsituation in der ukrainischen Armee, neue provisorische Mobilisierungsgesetze und die diplomatische Debatte, wie Europa damit umgeht; unter anderem sind in einigen Nachbarländern der Ukraine bereits Ausreisebeschränkungen für Angehörige bestimmter Altersgruppen in Kraft getreten.