Vier Lolas für ARTE-Koproduktionen bei den 76. Deutschen Filmpreisen 2026: Von "Gelbe Briefe" bis Wim Wenders

Berlin, Palais am Funkturm – Die 76. Ausgabe des Deutschen Filmpreises ist für ARTE ein regelrechter Triumphzug: Gleich vier Produktionen des Senders wurden mit den begehrten Lolas geehrt. Ein kurzer Rückblick auf einen Abend voller bewegender Momente und eindrucksvoller Filme.

vor 49 Minuten | 2 mal gelesen

Es klingt fast wie aus einer Drehbuchzeile: ein Fernsehsender, der seit Jahren wie eine Art flirrendes Chamäleon die besten Talente und Stoffe Europas fördert – und beim wichtigsten deutschen Filmpreis dann gleich vierfach abräumt. ARTE hat beim 76. Deutschen Filmpreis 2026 in Berlin ordentlich abgeräumt. Die Lola in Silber als Bester Spielfilm ging an "Gelbe Briefe" (Regie: Ilker Çatak, Produktion: if... Productions, Haut et Court, Limanfilm), stellvertretend für Produzent Ingo Fliess. Ein Film, der ZDF und ARTE gemeinsam stemmten und der – zumindest finde ich – zu den eleganteren Werken der letzten Zeit zählt. Die Filmmusik von Marvin Miller bekam zu Recht eine eigene Auszeichnung; selten tragen Töne so viel zum emotionalen Takt eines Streifens bei. Nicht minder faszinierend: "Das Verschwinden des Josef Mengele". Kirill Serebrennikov setzt Olivier Guez' Roman auf die Leinwand und gibt mit August Diehl in der Hauptrolle den grausamsten Unbekannten des 20. Jahrhunderts ein Gesicht, das unter die Haut geht. Diehl wurde für seine Leistung als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet und das, obwohl (oder weil?) er die Figur so gebrochen, so zeitlos grau darstellt. Auch im Dokumentarischen sprang ARTE ins Rampenlicht: "Siri Hustvedt - Dance Around the Self" von Sabine Lidl und Irene Höfer überzeugte als Bester Dokumentarfilm. Herausgekommen ist eine dichte, vielschichtige Studie über Identität und Selbstwahrnehmung – ein kleines Fernsehjuwel. Der Ehrenpreis des Abends? Der ging an Wim Wenders, einen der letzten großen Suchenden der Filmwelt. Wer sich diese Doku nicht auf arte.tv gönnt, verpasst eine inspirierende, manchmal widersprüchliche Reise durch ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte. So viele Preise für ARTE, und alle verdienen es. Mal ehrlich: Den vollständigen Überblick der Preisträger:innen gibt es auf der offiziellen Filmpreis-Seite. Und für Presseanfragen stehen – wie immer – die Profis bereit.

Die 76. Verleihung des Deutschen Filmpreises 2026 zeigte erneut, wie entscheidend öffentlich-rechtliche Kooperationen für die Qualität des europäischen Films sind. Während "Gelbe Briefe" die Silberne Lola für den besten Spielfilm und eine Auszeichnung für die Musik von Marvin Miller abräumte, glänzte "Das Verschwinden des Josef Mengele" durch August Diehls fesselnde Hauptrolle. Mit "Siri Hustvedt – Dance Around the Self" behauptete ARTE auch seine Stärke im Bereich der Dokumentarfilme, während Wim Wenders für sein Lebenswerk geehrt wurde. Die Filmpreisverleihung stand unter dem Zeichen der Vielfalt: Filme mit europäischem, transkulturellem Blickwinkel und brisanten historischen Themen dominierten die Preisträgerlisten. In der Branche wurde zudem diskutiert, wie die nachwachsende Regiegeneration neue gesellschaftliche Narrative aufbricht und wie Kooperationen wie die von ARTE, ZDF und BR solche Werke überhaupt erst ermöglichen. Ein großes Echo fand die Vielschichtigkeit der Produktionen, die vom Psychogramm bis zur filmischen Poesie reichte.

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