In den letzten zehn Jahren hat sich das Bild der deutschen Medizinlandschaft spürbar verändert: Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil der Ärzte ohne deutschen Pass im Jahr 2024 bei 13 Prozent, das sind etwa 64.000 Menschen. Zehn Jahre zuvor waren es mit 7 Prozent nicht einmal die Hälfte. Übrigens ist der Anteil der Erwerbstätigen mit ausländischer Staatsangehörigkeit insgesamt im selben Zeitraum von 9 auf 15 Prozent gestiegen. Besonders auffällig: Fast jede:r zweite ausländische Mediziner:in ist jünger als 35, wohingegen unter ihren inländischen Kolleg:innen dieser Anteil bei gerade mal 18 Prozent liegt.
Betrachtet man alle inländischen und ausländischen Herkunftsländer, so arbeiteten 2024 rund 121.000 zugewanderte Ärzte in Deutschland – also fast ein Viertel der gesamten Ärzteschaft. Manche davon sind heute deutsche Staatsbürger:innen, andere erst seit weniger als zehn Jahren im Land. Es ist jedoch schwierig zu sagen, wer seinen Abschluss bereits im Herkunftsland in der Tasche hatte.
Ärzte, die im Ausland studiert haben – egal ob Deutsche oder Nichtdeutsche – können ihre Abschlüsse hierzulande anerkennen lassen. 2024 waren Mediziner:innen mit ausländischem Abschluss auf Platz zwei bei den Anerkennungsverfahren, nur die Pflegeberufe wurden häufiger anerkannt. Etwa 7.000 Ärztinnen und Ärzte erhielten die volle Gleichwertigkeit, knapp 1.400 davon hatten einen deutschen Pass. auffällig viele Syrer folgen auf Platz zwei. Zahnärzte aus dem Ausland landen auf Platz sieben in der Anerkennungsstatistik, wobei auch hier wieder viele Deutsche dabei sind – vermutlich Absolvent:innen eines Auslandsstudiums. Besonders begehrt bei deutschen Studierenden während der letzten Jahre: Österreich und Ungarn.
Generell steigt vielerorts das Interesse am Medizinstudium – zumindest in der Humanmedizin. Im Wintersemester 2024/25 starteten 15.900 Studienanfänger:innen – 30 Prozent mehr als ein Jahrzehnt zuvor. Das trifft auf Zahnmediziner aber weniger zu: Hier ist die Zahl seit Jahren fast gleich geblieben und liegt aktuell bei etwa 2.000. Zum Vergleich: In allen Studienfächern sind die Anfängerzahlen leicht rückläufig.
Was die Altersverteilung betrifft, so steht die Ärzteschaft hierzulande vor einem großen Generationenwechsel: 2024 war fast ein Drittel (31 Prozent) älter als 55. Das wird noch spannend, denn die absolute Zahl der Mediziner wächst zwar, aber die mittlere Altersgruppe wird kleiner. Junge Ärzte gibt es etwas mehr als bisher – maßgeblich, weil immer mehr junge Kolleg:innen aus anderen Ländern ins Team kommen.
Die Arbeitszeiten sind übrigens ein Kapitel für sich: Innerhalb von zehn Jahren ist die durchschnittliche Arbeitszeit der Ärzte zwar gesunken, vor allem weil mehr Teilzeit gearbeitet wird. Trotzdem arbeiten Ärzte im Schnitt über 40 Stunden pro Woche – und damit noch immer deutlich mehr als der Durchschnitt der gesamten Erwerbstätigen. Wer meint, sämtliche Mediziner:innen hingen gleich lang im OP oder am Zahnarztstuhl, irrt jedoch: Beispielsweise kommen Chirurg:innen im Schnitt auf fast 50 Wochenstunden – wesentlich mehr als Zahnärzte oder Kieferorthopäden.
Der Trend, dass immer mehr Ärztinnen und Ärzte ohne deutschen Pass die medizinische Versorgung in Deutschland aufrechterhalten, spiegelt den zunehmenden Fachkräftemangel insbesondere im Gesundheitswesen wider. Nach aktuellen Recherchen werden diese Arbeitskräfte nicht nur aufgrund des fortschreitenden Ärztemangels, sondern auch wegen der inländischen Hürden im Medizinstudium – wie etwa Numerus clausus – immer relevanter. Gleichzeitig entstehen strukturelle Herausforderungen durch Anerkennungsprozesse ausländischer Abschlüsse und Integrationsschwierigkeiten; insbesondere jüngere ausländische Mediziner schließen die entstandene Lücke, da viele ältere Fachkräfte in Rente gehen oder demnächst aussteigen. Im internationalen Vergleich bleibt der Bedarf an Medizinern hoch, während Diskussionen um Bürokratieabbau und bessere Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte weiter zunehmen (siehe z. B. Quelle: FAZ, Quelle: Zeit). 2024 sorgten zudem weiter steigende Anerkennungszahlen und neue Debatten um Zuwanderungsregeln für Aufmerksamkeit im Gesundheitssektor sowie eine breitere gesellschaftliche Diskussion, wie sich Deutschlands Gesundheitssystem auf einen noch internationaleren Ärzte-Mix einstellen muss.