Von nomadischen Jägern zu urbanen Denker*innen
Die kommende Terra X-Reihe "Die Geschichte der Deutschen" nimmt einen langen Anlauf: Sie startet mit kargen, eiszeitlichen Landschaften, wo kaum ein Baum stand, und landet nach und nach im Dschungel mittelalterlicher Gesellschaftsstrukturen. Staffel eins (Start November 2026) tastet sich in fünf Episoden durch Frühzeit, Antike und frühes Mittelalter, von rätselhaften Reitervölkern über kelto-germanische Dorfgemeinschaften bis hin zu den ersten Klöstern und Städten. Dabei wird weniger das Königspersonal gefeiert als vielmehr gefragt: Wie hat sich der Alltag verändert? Woher rührt unsere schräge Aussprache, und warum erinnert manches hier fest an Rom, anderes wiederum nicht? Schon am Beispiel der frühen Grammatik oder der ältesten deutschen Melodien kann man erahnen, wie unterschiedlich die Wurzeln sind.
Fremde Sitten und eigensinnige Wege – eine Zeitreise mit Matthias Brandt
Mit viel Spielfreude schlüpft Matthias Brandt in die Rolle eines weltoffenen Chronisten: Ob beim Lauschen der ersten Knochenflöte auf der Schwäbischen Alb, beim Streit zwischen römischer Verwaltung und widerborstigen Alemannen oder in der Werkstatt eines mittelalterlichen Schreibers – er nimmt uns mit, ohne zu idealisieren. Historiker*innen räumen mit falschen Mythen auf, zeigen Parallelen und Brüche. Die Geschichte Deutschlands erscheint nicht als geradliniger Fortschritt, sondern als Serie von Überraschungen, Störungen und Neuanfängen. Dadurch, so Brandt, wird auch der düstere Teil der Geschichte – Verbrechen, Kriege, Zäsuren – nicht beschönigt, sondern mit wachem Blick eingeordnet.
ZDF-Geschichtsleiter Peter Arens bringt es auf den Punkt: "Gerade jetzt, wo das Label 'deutsche Kultur' mal beschworen, mal verengt wird, sollten wir uns dem echten, komplexen Werden unserer Gesellschaft widmen." Die ersten fünf Folgen laufen im November 2026 im ZDF, die weiteren Folgen sind für Ende 2027 eingeplant. Produzent ist Alexander Hesse (Gruppe 5, Köln).
Die Terra X-Reihe "Die Geschichte der Deutschen" soll ab November 2026 für frischen Wind sorgen – nicht nur als großes TV-Ereignis, sondern auch als Versuch, Identität als lebendigen Prozess statt festem Erbe sichtbar zu machen. Neben historischen Fakten legt die Produktion Wert auf emotionale Anknüpfungspunkte und die Einordnung von Gegenwart in Traditionslinien, die oft widersprüchlicher sind, als man denkt. Matthias Brandt als Erzähler gibt dem historischen Mosaik eine persönliche Note, während Experten im Hintergrund wissenschaftliche Mythen entschlüsseln und aktuelle Debatten etwa über den Begriff „deutsche Kultur“ aufnehmen. Die Doku könnte so im Spannungsfeld von Identität, Herkunft und gesellschaftlicher Diskussion neue Maßstäbe setzen – und dabei speziell jüngeren Zuschauer*innen historische Vielstimmigkeit näherbringen. Aktuelle journalistische Recherchen greifen das Thema deutsche Identität ebenfalls auf: So berichtet die FAZ über die zunehmende Politisierung von Geschichtsbegriffen und fordert mehr offene Debatten über Herkunft und Wandel der deutschen Nation. Bei Zeit Online wird die Frage gestellt, wie Integration und Zugehörigkeit historisch immer wieder neu verhandelt werden – etwa am Beispiel migrantischer Familiengeschichten und paralleler Erinnerungskulturen. Spiegel Online vergleicht aktuelle Gesellschaftskonflikte und den Kampf um kulturelle Deutungshoheit direkt mit historischen Umbruchzeiten wie nach der Reformation oder 1848 und fragt, ob Geschichte für politische Zwecke zu vereinfacht wird. Diese Medienbeiträge unterstreichen das wachsende Bedürfnis, Geschichte nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als Streitfall und Raum für neue Narrative begreifen zu lernen.