Bevölkerungsschutz im Wandel: Ohne flächendeckende Feuerwehr-Einbindung geht es nicht

Berlin – Angesichts neuer Bedrohungslagen betont der Deutsche Feuerwehrverband (DFV), dass der Bevölkerungsschutz nur dann zukunftsfähig bleibt, wenn die Feuerwehren zentral einbezogen werden. Der vom Bund beschlossene 'Pakt für den Bevölkerungsschutz' soll die Zivile Verteidigung modernisieren, aber alleine reicht das laut DFV nicht aus.

heute 16:22 Uhr | 5 mal gelesen

Mal ehrlich: Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass wir wieder so viel über Zivile Verteidigung sprechen würden? Doch mit Blick auf die angespannte Weltlage ist das längst kein rein historisches Thema mehr. Karl-Heinz Banse, Präsident des DFV, bringt es auf den Punkt: Der neue Pakt der Bundesregierung ist eigentlich ein überfälliges Signal, doch ohne substanzielle Einbeziehung der Feuerwehren gleicht er einem Hochhaus ohne Fundament. Bemerkenswert ist der nun geplante Steuerungsstab auf Bundesebene – ein bisschen wie das Dirigentenpult für die Krisenreaktion. Der DFV betont, dass schnelle Alarmierungen und ein vielseitiges digitales Lagebild keine Selbstläufer sind, sondern Know-how an der Basis brauchen: Also bei denen, die nachts um drei bei jedem Wetter rausmüssen. Die Kernkompetenzen der verschiedenen Hilfsorganisationen sollen endlich eindeutig benannt und die Fähigkeiten klug verteilt werden. Banse erinnert: „Unsere Leute sind nicht nur stark vertreten, sie kennen ihr Terrain wie ihre Westentasche – und, by the way, kriegen eine Million Einsatzkräfte mobilisiert.” Gerade beim Schutz vor CBRN-Gefahren (also chemischen, biologischen, radioaktiven oder nuklearen Bedrohungen) sei das Know-how der Feuerwehr unersetzlich. Interessant ist die neue Logik: Weg von reinen Szenarien, hin zu flexibel abrufbaren Fähigkeiten. Beispiel Hochwasser: Es ist egal, wofür die Sandsäcke am Ende verwendet werden – entscheidend ist, dass jemand weiß, wie man sie zügig befüllt und verteilt. Schon heute gibt es 40 solche definierte Fähigkeitstypen, die akuten Bedarf abdecken können. Damit wird, so der DFV, ein Flickenteppich an Zuständigkeiten vermieden. Noch ist das alles Theorie; ob die Praxis in Bund und Ländern nachzieht? Banse klingt zumindest vorsichtig optimistisch.

Kern des neuen Ansatzes bleibt die Einbindung und Stärkung der Feuerwehren als tragende Säule im Bevölkerungsschutz. Im Gespräch ist deutschlandweit ein abgestimmtes Fähigkeitsmanagement, mit dem nicht nur Kompetenzen besser zugeordnet, sondern auch Ressourcen länderübergreifend koordiniert werden sollen. Zuletzt hat die Innenministerkonferenz ebenfalls angeregt, bestehende Einheiten als Fundament für ein zukunftsfähiges System zu nutzen. In den letzten Tagen haben verschiedene Medien die Entwicklung kritisch begleitet – beispielsweise thematisierte die Süddeutsche Zeitung jüngst, dass praktische Umsetzung und Finanzierung offen bleiben. Die Diskussionen zeigen, dass der Pakt nur dann trägt, wenn er nicht auf halber Strecke steckenbleibt und wirklich an der Basis – also bei den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften vor Ort – ankommt.

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