Rentenkommission unter Druck: Erwartungen steigen
„Die Dringlichkeit war selten höher“, sagt Prof. Dr. Oliver Schellenberger, der wissenschaftliche Kopf hinter dem DIVA. Dass die andauernden internationalen Krisen rund um den Iran und wirtschaftliche Flauten Spuren hinterlassen, sei unübersehbar – aber allein darauf, so Schellenberger, dürfe sich die Bundespolitik nicht ausruhen. Nur noch ein Viertel der Teilnehmenden fühlt sich finanziell für den Ruhestand ausreichend abgesichert – ein Rückgang um über fünf Prozentpunkte binnen weniger Monate. Die Aussagen der Befragten legen den Finger auf die Wunde: Die Politik muss endlich Antworten liefern, fordert die Forschung klar.
Unbeliebte Maßnahmen: Warum Bürger Reformen scheuen
Sobald es an die konkreten, unbequemen Hebel im Rentensystem geht – sei es Renteneintrittsalter rauf, Rentenniveau runter oder Beiträge hoch – winkt die Mehrheit der Befragten ab. Die Zustimmungsraten zu den wichtigsten Reformmaßnahmen sind düster: Beitragsanhebungen unterstützten nur um die 15 Prozent, eine Senkung des Rentenniveaus ist noch unpopulärer. Interessant ist: Viele Befragte wissen um die finanziellen Zwänge, aber sobald persönliche Opfer im Raum stehen, blockieren sie. Martin Klein von VOTUM bringt es auf den Punkt: „Wir werden das System nur retten, wenn wir unbequeme Wahrheiten neu denken – auch wenn das schmerzt.“ Das klingt bitter, ist aber alles andere als neu.
Erste Fortschritte: Das neue Altersvorsorgereformgesetz
Ein Hoffnungsschimmer: Bundestag und Regierung steuern mit dem Altersvorsorgereformgesetz gegen, indem sie erstmals breit gefächerte Wahlmöglichkeiten für die Altersvorsorge gesetzlich verankern. Egal ob klassische Rentenversicherung, Immobilien, Fonds oder das neue Altersvorsorgedepot – die Palette wächst und wird vielfältiger. Der Gesetzgeber demonstriert, dass Anpassungsfähigkeit möglich ist. Die Hoffnung bleibt, dass auch andere Baustellen im Rentensystem folgen.
Die komplette Auswertung der Erhebung ist direkt beim DIVA online verfügbar. Ergebnisse auf www.diva.de
Über das DIVA
Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) in Frankfurt hat sich durch seine Studien einen Namen gemacht. Getragen von vier Verbänden, leistet das Institut, geführt von Prof. Schellenberger, regelmäßig mit den Indizes DIVAX-GA und DIVAX-AV einen wichtigen Beitrag zur Debatte rund ums Thema finanzielle Sicherheit im Alter. Diverse Sonderbefragungen und Kooperationen runden das Spektrum ab.
FHDW im Überblick
Als An-Institut der FHDW verbindet das DIVA akademische Tiefe mit dem Praxisbezug der Wirtschaftshochschule. Über 2.000 Studierende lernen in kleinen Gruppen mit engem Kontakt zur realen Wirtschaft – so entstehen regelmäßig fundierte, praxisnahe Studien wie der aktuelle Altersvorsorge-Index.
Kurzum: Die nächste Rentenreform muss Antworten geben – und zwar solche, die über Umfragen hinausgehen.
Der aktuelle DIVAX-AV markiert mit einem Rückgang auf -3,0 eine selten erreichte Vertrauensdelle in die gesetzliche Altersvorsorge der Deutschen. Besonders auffällig ist, dass die Bereitschaft für einschneidende Reformen – etwa eine Anhebung des Rentenalters oder Beitragserhöhungen – kaum vorhanden ist. Hintergrund sind eine schwierige wirtschaftliche Lage und ein wachsendes Gefühl von Unsicherheit. Gleichzeitig bringen neue Initiativen wie das frische Altersvorsorgereformgesetz Hoffnung, indem sie mehr Auswahl und Flexibilität in der privaten und betrieblichen Altersvorsorge bieten. Weitere aktuelle Recherchen belegen: Auch in Debatten um die Rentenpolitik der Bundesregierung und bei Verbänden wie dem DGB zeigt sich eine wachsende Skepsis, ob der Sozialstaat im bestehenden Modell tragfähig bleibt. Die Diskussion über den „demografischen Wandel“ – also das Problem einer immer älter werdenden Gesellschaft – dominiert die Schlagzeilen. Demnach fordern viele Expert*innen und Bürger*innen eine ehrlichere, transparentere Debatte über notwendige Einschnitte oder Innovationen im Rentensystem. Gleichzeitig sorgt ein neues Urteil des Bundesverfassungsgerichts für Unsicherheit, da es einige zentrale Rentenreformen vergangener Legislaturperioden auf ihre Verfassungsmäßigkeit prüft, was die Unsicherheit in der Bevölkerung weiter verstärkt. (Quellen: taz.de, faz.net, zeit.de Stand 27.–28.05.2024)