Mendel warnt vor politischem Einfluss: Yad Vashem in Bayern und Sachsen im Fokus

Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, appelliert an Politik und Öffentlichkeit in Deutschland, genau hinzuschauen: Welche Rolle spielt der Einfluss der aktuellen israelischen Regierung auf neue deutsche Ableger der Gedenkstätte Yad Vashem?

heute 08:50 Uhr | 5 mal gelesen

Vor dem Hintergrund der geplanten Yad-Vashem-Niederlassungen in Bayern und Sachsen macht Meron Mendel in einem Meinungsbeitrag für den 'Spiegel' auf einen heiklen Punkt aufmerksam, der in Deutschland viel zu selten diskutiert wird. Mendel wirft die nicht ganz triviale Frage auf, wie der durch rechte und nationalistische Kräfte geprägte Kurs der israelischen Regierung auf die didaktische und erinnerungspolitische Arbeit der neuen Dependancen durchschlagen könnte. Yad Vashem sei, wie Mendel betont, keinesfalls so unabhängig, wie in Deutschland oft angenommen werde. Dahinter stecke eine öffentliche Einrichtung mit eindeutig staatlichem Auftrag, eng an die jeweils amtierende Regierung und das von ihr gewünschte Narrativ gebunden. Das laufe sogar so weit, dass die Leitung persönlich vom israelischen Premierminister bestimmt werde – und mit Dani Dayan habe man aktuell einen ausgewiesenen Vertreter der Siedlerlobby an der Spitze. Und doch: Mendel hält die Hoffnung offen, dass die Initiatoren in Deutschland verhindern, dass die neuen Standorte in den Strudel aktueller politischer Agenden gezogen werden. Die Verantwortung hierfür liege unmissverständlich bei denen, die diese neuen Erinnerungsorte gestalten.

Der Diskurs um die deutschen Yad-Vashem-Dependancen wird brisanter, weil nicht nur historische, sondern hochaktuelle politische Fragen damit verknüpft sind. Neuere Berichte bestätigen, dass die Debatte um Einflussnahme durch die Regierung Netanyahu, besonders im Kontext der erstarkenden Rechten in Israel, an Schärfe gewinnt. Mendels Impuls kommt daher zum richtigen Zeitpunkt: Auch andere Stimmen fordern bundesweit eine offene Diskussion über die Ausbalancierung zwischen notwendiger historischer Vermittlung und Befürchtungen einer politischen Umdeutung der Gedenkstättenarbeit. Nach Recherchen wird in Fachkreisen darüber gestritten, wie die Erinnerungslandschaft in Deutschland aussehen soll, wenn Politiker wie Dani Dayan maßgeblich mitmischen – und ob dies langfristig der pluralen, demokratischen Arbeit eher schadet oder nützt.

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