Ukrainischer Energiekonzern warnt: Europa unterschätzt Russlands Energiekriegsführung

Maxim Timchenko, Chef des größten ukrainischen Energieversorgers DTEK, mahnt: Europa wiegt sich in trügerischer Sicherheit, während Russland gezielt Energieinfrastruktur angreift.

heute 10:12 Uhr | 2 mal gelesen

Wer glaubt, Kriege laufen noch wie im letzten Jahrhundert, irrt sich gewaltig, meint Maxim Timchenko gegenüber dem 'Handelsblatt'. Seiner Ansicht nach nutzt Russland heute eine Palette neuer Methoden – von digital gezielten Attacken auf Versorgungsnetze bis hin zum buchstäblichen Sprengen von Kraftwerken. Die Geschichte vom billigen Gas, das politisch gefällig durch die Rohre rauscht, ist laut Timchenko ein Teil dieses modernen 'Energieterrors'. Aber er sieht auch ein Problem bei uns: In Deutschland und anderen europäischen Staaten fehle oft die Bereitschaft, sich ehrlich mit solchen Bedrohungen auseinanderzusetzen – solange das Wetter mitspielt und der Strom aus der Steckdose kommt, will sich kaum jemand die möglichen Folgen einer Eskalation vorstellen. Und genau das mache die Bevölkerung verwundbar. Timchenko kann nicht nachvollziehen, warum trotz aller Warnungen immer noch russische Energieträger nach Europa gelangen. Dass manchmal sogar Stimmen laut werden, die ein Zurück zu vermehrten Gasimporten aus Russland fordern, hält er schlicht für unbegreiflich. 'Ich frage mich, was eigentlich noch passieren muss, damit Europa versteht: Der Weg zurück sollte endgültig versperrt sein', betont er – die Ukraine selbst könne ihren Teil dazu beitragen, die entstehende Lücke zu füllen.

Maxim Timchenko, Vorstand von DTEK, macht deutlich, wie sehr die Kriegsführung um Energie mittlerweile Teil des Alltags in der Ukraine geworden ist. Neben offensichtlichen Raketenangriffen auf Kraftwerke gehören laut Timchenko nun auch raffinierte Cyberattacken oder die Manipulation des Gasmarkts zu den Mitteln Russlands, um die Gesellschaft zu destabilisieren. Angesichts neuer Drohnenangriffe im Juni 2024 auf ukrainische Stromnetze wächst laut aktuellen Medienberichten die Sorge, dass ein ähnliches Vorgehen auch gegen westliche Länder nicht ausgeschlossen werden kann. Die EU diskutiert derzeit, wie die Energielieferungen aus Russland weiter gedrosselt und die Versorgung aus alternativen Quellen abgesichert werden können. Die Ukraine baut parallel ihre eigene Infrastruktur aus, um spätestens 2027 energieautark zu werden und neue Liefermöglichkeiten für Europa zu schaffen.

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