Gefängnis-Mitarbeiter im Zwielicht: Gewerkschaft will klare Kante bei Fehlverhalten
Wegen teils erschütternder Anschuldigungen gegen Angestellte der JVA Augsburg-Gablingen fordert der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) deutliche personelle Schritte – sofern sich die Vorwürfe bewahrheiten.
„Wer als JVA-Beamter tatsächlich kriminelle Taten begeht, der hat in unseren Reihen schlichtweg keinen Platz“, sagte BSBD-Chef Rene Müller gegenüber der 'Neuen Osnabrücker Zeitung'.
Auch wenn Müller betont, dass Verallgemeinerungen der Berufsgruppe unfair seien, spricht er mit Blick auf das mutmaßliche Ausmaß in Augsburg von einem „erschreckenden Maß an Entgleisung, das man nicht einfach wegdiskutieren kann“ und pocht auf volle Aufklärung, bevor es zum Urteil komme.
heute 08:49 Uhr | 4 mal gelesen
„Es passiert nicht selten, dass Kolleginnen und Kollegen ungerechtfertigt mit heftigen Anschuldigungen konfrontiert werden“, so Müller zur NOZ. Trotzdem steht die Augsburger Justizvollzugsanstalt nun unter besonderer Beobachtung: Dort sollen mehrere Bedienstete über Jahre Häftlinge misshandelt und erniedrigt haben. Inzwischen gibt es offizielle Anklagen gegen mehrere Beamte.
Der Bayerische Rundfunk hatte jüngst sogar interne Chatprotokolle veröffentlicht, in denen sich einige der Verdächtigen offen über ihr Tun austauschten, teils mit einer verstörenden Selbstverständlichkeit. Selbst wenn ein Teil davon nur leeres Gerede sei, macht Müller deutlich: „So ein Verhalten – ob echt oder angeblich – ist absolut inakzeptabel und widerspricht allem, wofür der Strafvollzug stehen sollte.“
Die Debatte um mutmaßliche systemische Missstände in der JVA Augsburg-Gablingen geht über Einzelfälle hinaus. Laut offiziellen Berichten stehen mindestens acht Beamte wegen schwerer Körperverletzung und anderer Delikte in Verbindung mit dem Mißbrauch der ihnen anvertrauten Häftlinge im Visier der Staatsanwaltschaft. In Folge der medialen Aufmerksamkeit kritisieren Experten auch die Kontrollmechanismen in Justizvollzugsanstalten – es fehle zum Teil an Transparenz und effektiven Beschwerdewegen. Gleichzeitig diskutiert die Politik, ob unabhängige Ombudsstellen für Inhaftierte eingerichtet werden sollten, um Missstände frühzeitig zu erkennen.