Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten wird von Ursula von der Leyen massiv beworben: Exportstarke Länder wie Deutschland könnten laut ihr schon bis 2040 ihre Exporte nach Südamerika um bis zu 50 Milliarden Euro steigern. Das Abkommen soll der europäischen Wirtschaft durch einen großen neuen Absatzmarkt und Milliardenersparnisse bei Zöllen Rückenwind geben, insbesondere auch kleineren Firmen. Gleichzeitig will von der Leyen die Freihandelspolitik weiter ausbauen und sieht in neuen Abkommen mit Indien und Australien eine Möglichkeit, Europas wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit zu stärken. Im aktuellen politischen Diskurs gibt es jedoch weiterhin Kritik am Mercosur-Abkommen, insbesondere wegen Bedenken in Bezug auf Umweltschutz, Sozialstandards und möglichen Wettbewerbsnachteilen für europäische Landwirte. Einige EU-Länder, darunter Frankreich, haben zudem Vorbehalte wegen der Abholzung des Amazonas und fordern strengere Klimaauflagen in dem Vertragswerk. Darüber hinaus ist die politische Lage in Brasilien und Argentinien – den wichtigsten Mercosur-Mitgliedern – instabil, was sich ebenfalls auf die Umsetzung und Nachhaltigkeit des Abkommens auswirken könnte. Kritische Stimmen aus der Wirtschaft warnen, dass die zu erwartenden Exporteure insbesondere aus der Automobil- und Chemiebranche profitieren, während andere Sektoren, etwa die europäische Landwirtschaft, durch die Importkonkurrenz aus Südamerika unter Druck geraten könnten. Insbesondere durch den verstärkten Fokus der EU auf unabhängige Rohstoffquellen sowie geopolitische Distanz zu den USA und China gewinnt das Abkommen zusätzliche Brisanz. Trotz aller Euphorie bleibt die tatsächliche Verabschiedung des Vertrags bis Herbst noch ungewiss, da gerade nationale Parlamente mitentscheiden müssen und die öffentliche Debatte durchaus kontrovers verläuft.
09.01.26 18:13 Uhr