Mercosur-Abkommen: Von der Leyen rechnet mit kräftigem Export-Boom der EU

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sieht besonders für die deutsche Wirtschaft große Chancen durch den geplanten Handelsdeal mit den Mercosur-Staaten Südamerikas.

09.01.26 19:40 Uhr | 7 mal gelesen

Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, blickt mit Optimismus auf das potenzielle Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten. Im Gespräch mit der "Bild" hob sie hervor, dass gerade exportstarke Länder wie Deutschland enorme Vorteile erwarten könnten – bis 2040 rechne man mit einem Anstieg der europäischen Ausfuhren in die Mercosur-Region um satte 50 Milliarden Euro. Nach ihren Worten soll das Mega-Abkommen, das mehr als 700 Millionen Menschen umfasst, schon "vor dem Herbst" unter Dach und Fach sein – und damit neue Impulse für Europas Wirtschaft setzen. Die Bedeutung des Deals bezeichnete sie als "historisch". Besonders betonte sie die Chancen für Sektoren, die zuletzt mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, etwa den Maschinenbau, Autohersteller oder die Chemieindustrie. Hier öffnet sich laut von der Leyen "das Tor zu einem enormen neuen Markt", und gerade diese Branchen würden zu den ersten großen Gewinnern gehören. Auch für kleine und mittlere Firmen der EU sei das Abkommen attraktiv, denn sie könnten von vereinfachten Exportregeln rasch profitieren, was schon kurzfristig Milliardenbeträge an eingesparten Zöllen bescheren könnte. "Das gibt Europa einen echten Vorsprung und sichert Jobs", sagte sie mit Nachdruck. Abschließend richtete von der Leyen den Blick über Südamerika hinaus: Sie wolle die Freihandelsstrategie auch auf andere Weltregionen ausweiten, insbesondere auf Indien und Australien. Neue Handelsabkommen bedeuteten aus ihrer Sicht nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern machten Europa auch unabhängiger und politisch durchsetzungsfähiger. Allerdings, so ganz beiläufig, schwingt dabei natürlich eine gewisse Erwartung mit – denn ob das alles so reibungslos über die Bühne geht, ist angesichts der bisherigen Widerstände gegen Mercosur offen.

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten wird von Ursula von der Leyen massiv beworben: Exportstarke Länder wie Deutschland könnten laut ihr schon bis 2040 ihre Exporte nach Südamerika um bis zu 50 Milliarden Euro steigern. Das Abkommen soll der europäischen Wirtschaft durch einen großen neuen Absatzmarkt und Milliardenersparnisse bei Zöllen Rückenwind geben, insbesondere auch kleineren Firmen. Gleichzeitig will von der Leyen die Freihandelspolitik weiter ausbauen und sieht in neuen Abkommen mit Indien und Australien eine Möglichkeit, Europas wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit zu stärken. Im aktuellen politischen Diskurs gibt es jedoch weiterhin Kritik am Mercosur-Abkommen, insbesondere wegen Bedenken in Bezug auf Umweltschutz, Sozialstandards und möglichen Wettbewerbsnachteilen für europäische Landwirte. Einige EU-Länder, darunter Frankreich, haben zudem Vorbehalte wegen der Abholzung des Amazonas und fordern strengere Klimaauflagen in dem Vertragswerk. Darüber hinaus ist die politische Lage in Brasilien und Argentinien – den wichtigsten Mercosur-Mitgliedern – instabil, was sich ebenfalls auf die Umsetzung und Nachhaltigkeit des Abkommens auswirken könnte. Kritische Stimmen aus der Wirtschaft warnen, dass die zu erwartenden Exporteure insbesondere aus der Automobil- und Chemiebranche profitieren, während andere Sektoren, etwa die europäische Landwirtschaft, durch die Importkonkurrenz aus Südamerika unter Druck geraten könnten. Insbesondere durch den verstärkten Fokus der EU auf unabhängige Rohstoffquellen sowie geopolitische Distanz zu den USA und China gewinnt das Abkommen zusätzliche Brisanz. Trotz aller Euphorie bleibt die tatsächliche Verabschiedung des Vertrags bis Herbst noch ungewiss, da gerade nationale Parlamente mitentscheiden müssen und die öffentliche Debatte durchaus kontrovers verläuft.

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