Blendet man einen Moment das Marketing-Brimborium aus – all die bunten Kampagnen, die inflationären Posts, das endlose Gerenne nach Klicks – dann bleibt vom heutigen Werbemarkt oft erstaunlich wenig Substanz übrig. Die Wahrheit, so unbequem sie klingt: Unternehmen ertrinken in ihrer eigenen Wirkungslosigkeit, während Klickpreise durch die Decke gehen, Kunden das Interesse verlieren und Markentreue in homöopathische Dosen schrumpft. Eigenartige Ironie: Nie war Werbung präsenter, nie war ihre Relevanz geringer.
Dass Künstliche Intelligenz das Schreiben von Texten demokratisiert – also massenhaft billig gemacht – hat, klingt im ersten Moment gut. Aber was ist mit der inhaltsleeren Masse? Es ist, als würde Werbung zur digitalen Umweltverschmutzung verkommen: viel Output, wenig Wirkung.
Zahlreiche Unternehmen preisen sich als die coolsten Helden des Marktes an: innovativ, günstig, unvergleichlich kreativ. Die Realität? Oft bleibt davon nur heiße Luft. Es wäre Zeit, mal nicht nur die nächste Werbeparty zu feiern, sondern gründlich aufzuräumen.
Statt Therapien für einzelne Anzeigen braucht es eine Intervention für das ganze System: Unbequeme Fragen, gemeinsames Hinterfragen falscher Versprechen, das radikale Entfernen von Selbstbetrug – erst dann kann aufgeräumt und neu gedacht werden. Das klingt wie eine Katastrophe, fühlt sich aber, ehrlich gesagt, oft wie Befreiung an.
Interessant dabei: Solche Interventionen sind kein Kuschelkurs, sondern ehrlicher Streit, Klartext und die Bereitschaft, Standpunkte (und Werbebudgets) infrage zu stellen. Ziel: nicht maximale Reichweite oder die nächste Modewelle mitzureiten – sondern wirkliche Relevanz, echte Verkäufe, Substanz statt Fassade.
In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit zur abgenutzten Währung geworden ist, schlägt Authentizität lauter als jede Werbeparole. Anders zu sein heißt nicht, schriller oder spektakulärer zu wirken – sondern klarer, ehrlicher und näher am echten Kunden.
Vielleicht ist es die höchste Zeit, weniger zu schicken und mehr Substanz zu liefern. Denn: Am Ende bleibt nicht der Lauteste, sondern der, der wirklich was zu sagen hat.
Der Artikel prangert die Misere klassischer Werbung an: Höhere Sichtbarkeit führt längst nicht mehr zu besseren Ergebnissen – im Gegenteil, sie trägt häufig zur kollektiven Werbe-Amnesie bei. Der inflationäre Einsatz von KI und digitalen Marketing-Tools habe die Werbebranche in eine Art Selbstverblendung getrieben, bei der echte Kundenverbindung, Glaubwürdigkeit und Differenzierung auf der Strecke bleiben. Ein grundlegendes Umdenken sei nötig – statt Kampagnen-Mikado braucht es Interventionen, die den Kern von Unternehmen und Marketing freilegen, Prügelphrasen entlarven und das Vertrauen zwischen Marke und Kunde wiederherstellen.
Recherchen in aktuellen Medien ergaben, dass viele Unternehmen mit wachsender Skepsis auf KI-gestützte Werbung reagieren und verstärkt Authentizität und direkte Kundenerfahrung in den Vordergrund rücken. Beispielsweise berichtet die Süddeutsche Zeitung von Start-ups, die klassische Werbepfade gezielt verlassen und sich radikal auf reale Kundeninteraktion besinnen. Das Thema der „Aufmerksamkeitsökonomie“ wird auch bei taz und Zeit umfassend diskutiert – dabei herrscht Konsens, dass in einer gesättigten Medienlandschaft Reduktion und Klarheit zunehmend geschätzt werden. Diese Entwicklung unterstreicht, wie wichtig ein Neustart im Umgang mit Werbung tatsächlich ist.