Sondersitzung des Berlinale-Aufsichtsrats: Ungewisse Zukunft für Festivalleitung

Über mögliche personelle Konsequenzen für die Berlinale-Chefin Tricia Tuttle schweigt die Bundesregierung vorerst. Am Donnerstag soll dennoch der Aufsichtsrat des Festivals tagen – im Zentrum: die künftige Richtung der Berlinale.

heute 13:46 Uhr | 6 mal gelesen

Steffen Meyer, stellvertretender Sprecher der Bundesregierung, gab sich zurückhaltend: Spekulationen über eine Absetzung von Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle kommentiere er nicht – so jedenfalls seine pragmatische Antwort auf Anfrage der Nachrichtenagentur dts. Sicher sei immerhin, dass sich der Aufsichtsrat der übergeordneten Träger-GmbH am Donnerstagvormittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenfindet. Spannend daran: Es geht explizit um die 'zukünftige Ausrichtung der Berlinale'. Unklar bleibt, ob wirklich schon so öffentlich geäußerte Konsequenzen wie die von Boulevardmedien kolportierte Ablösung Tuttles anstehen. Die „Bild“-Zeitung berichtet, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wolle Tuttle aus dem Amt entfernen – als Reaktion auf antisemitische Vorfälle im Umfeld der letzten Filmfestspiele. Eine offizielle Bestätigung von politischer oder institutioneller Seite liegt bislang nicht vor. Wer abends in den Kulturstadt-Außenposten Berlin blickt, könnte ins Grübeln geraten: Wo führt das hin – Richtung Neuanfang oder kollektiver Irritation?

Im Zentrum der derzeitigen Debatte steht ein Vorwurf: Während der diesjährigen Berlinale wurden mehrfach antisemitische Äußerungen laut, insbesondere im Zusammenhang mit Palästina-Solidaritätsbekundungen und Boykottaufrufen. Die Bundesregierung sieht sich nun mit der schwierigen Frage konfrontiert, wie transparent und konsequent sie auf diese Vorfälle reagieren soll, ohne künstlerische Freiheiten zu beschneiden – eine Gratwanderung, die typisch ist für die deutsche Erinnerungspolitik und Kulturarbeit. In den Medien diskutiert man intensiv, ob es tatsächlich eine personelle Neuaufstellung braucht, oder ob schlicht strukturelle Veränderungen im Festivalkonzept sinnvoller wären – dabei wird auch die grundsätzliche Rolle internationaler Kulturmanagerinnen wie Tricia Tuttle im deutschen Kulturbetrieb thematisiert.

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