Mit Gelbe Briefe gewinnt eine ARTE-Produktion bereits zum neunten Mal den Goldenen Bären – ein kleiner Meilenstein, möchte man meinen, für einen Sender, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, dem Autor*innen-Film Raum zu geben.
Heike Hempel, die Präsidentin von ARTE, ließ sich deutlich vernehmen: "Gerade in stürmischen Zeiten darf niemand die Kraft und Wirkung des Films unterschätzen. Deshalb engagieren wir uns weiterhin für das Erzählen mutiger, persönlicher Geschichten." Dass der Goldene Bär an "Gelbe Briefe" ging, sehe sie als Bestätigung dieser Haltung.
Ein Blick auf die Siegerliste:
- Goldener Bär (Bester Film): Gelbe Briefe, Regie: Ilker Çatak – Koproduktion aus Deutschland, Frankreich und der Türkei.
- Silberner Bär (Beste Hauptrolle): Sandra Hüller für ihre Performance in "Rose" (Regie: Markus Schleinzer, Österreich/Deutschland).
- Dokumentarfilm Jury-Preis: „Chronicles From the Siege" von Abdallah Al-Khatib, ein vielschichtiger Dokumentarfilm über Krisengebiete.
- Teddy Award: „Ivan & Hadoum" von Ian de la Rosa, eine starke Stimme aus Spanien, Deutschland und Belgien.
- FIPRESCI-Preis: „Narciso" von Marcelo Martinessi, eine internationale Koproduktion u.a. aus Paraguay, Uruguay und Deutschland.
- Panorama-Publikumspreise: Für Spielfilm „Staatsschutz“ (Faraz Shariat, Deutschland) und das Drama „Vier minus drei“ (Adrian Goiginger, D/AT), sowie Dokumentarfilm „Traces“ (Alisa Kovalenko & Marysia Nikitiuk, Ukraine).
Die 76. Berlinale markiert einen bemerkenswerten Erfolg für ARTE und das europäische Autorenkino. 'Gelbe Briefe' erzählt von der politischen Fragilität und den familiären Herausforderungen eines Künstlerpaars in der Türkei, und konnte damit das Festival wie auch das Publikum überzeugen. Neben dem Goldenen Bären gingen weitere bedeutende Preise an Produktionen mit ARTE-Beteiligung, wodurch der Sender seine Rolle als Förderer innovativen und gesellschaftlich relevanten Filmschaffens unterstreicht. Mit Blick auf aktuelle Medienberichte wurde die Berlinale 2026 von gesellschaftlichen Diskussionen über Zensur, Identitätspolitik und Meinungsfreiheit geprägt, wovon auch viele Filme direkt oder indirekt handelten. In Interviews unterstrichen Jury-Präsident und Filmschaffende, wie sehr das Festival gerade in krisenhaften Zeiten als Ort des Dialogs und der Reflexion dient. In zahlreichen Rezensionen wurde besonders das politische und persönliche Moment in 'Gelbe Briefe' hervorgehoben – ein Spiegel der aktuellen internationalen Unsicherheiten. Berichte auf mehreren Nachrichtenseiten hoben hervor, wie die Vielfalt der ausgezeichneten Filme (u.a. mit Beiträgen aus Palästina, der Ukraine, Lateinamerika) das internationale Selbstverständnis der Berlinale 2026 erneut deutliche Konturen gab. Außerdem wurde hervorgehoben, dass die Reaktionen des Publikums und vieler internationaler Gäste den Willen erkennen ließen, mit Filmkunst politische Debatten und gesellschaftliche Veränderung aktiv zu begleiten.