DIHK: Für einen stärkeren Draht nach China – Zwischen Wirtschaftschance und Abhängigkeit

Kurz bevor Bundeskanzler Friedrich Merz den Flieger nach Peking besteigt, wirbt der Außenwirtschaftschef der DIHK, Volker Treier, deutlich für einen engeren Schulterschluss mit China – mit Blick auf die aktuellen Turbulenzen in den USA.

heute 18:39 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal scheint es, als wäre die wirtschaftliche Welt nur ein Flickenteppich aus wechselnden Chancen und Risiken. Volker Treier von der DIHK formuliert es ungewohnt offen: Gegenüber dem erratischen Kurs eines Donald Trump erweise sich China derzeit als berechenbarerer Partner – zumindest im Vergleich mit den Vereinigten Staaten. Das ist bemerkenswert, wenn man sich sonstige Debatten so anhört. Treier wittert speziell im Bereich Umwelt, Recycling und Medizintechnik mehr Möglichkeiten für Zusammenarbeit. Da tun sich Branchen auf, an die man vielleicht nicht sofort denkt, wenn von deutsch-chinesischer Partnerschaft die Rede ist. Gleichwohl dämpft er Erwartungen, denn im Schatten jedes Potenzials lauern Risiken: Die existierende Abhängigkeit Europas von kritischen Rohstoffen, deren Fluss durch Pekings Exportkontrollen gedrosselt werden kann. Die Debatte kriegt damit sofort eine pragmatische, fast schon nervöse Note. 'Planbarkeit' fordert er, als wäre das eine zuverlässige Währung. Er spielt auf konkrete Episoden an, wie im vergangenen Jahr, als europäische Autobauer bibbernd auf fehlende chinesische Chips warteten. Und noch ein Seitenhieb gegen laute Politik: 'Ernsthafte Gespräche' fernab medialem Getöse würden mehr bringen als großspurige Statements. Kritik gibt’s von Jürgen Matthes vom IW, der Chinas Subventions- und Währungspolitik als massive Wettbewerbsverzerrung anprangert. Das Handelsdefizit mit China kratzt ohnehin an Rekorden – Matthes sieht das als bedenkliches Zeichen und bringt sogar die Abwertung des Yuan ins Spiel. Das Resultat: Der Druck wächst auf deutsche Unternehmen, immer mehr Wertschöpfung direkt in China anzusiedeln. Ausfuhren? Immer weniger. Lokale Produktion? Immer mehr – zähneknirschend, aber offenbar notwendig. Man sieht: Einfache Antworten gibt es nicht.

Das deutsch-chinesische Verhältnis bleibt heikel, aber eine größere Kooperation wird angesichts globaler Unsicherheiten für viele Wirtschaftsvertreter als zunehmend attraktiv eingeschätzt – nicht zuletzt wegen der unklaren US-Außenpolitik. Allerdings befürchten Experten, dass China durch Exportkontrollen und Subventionen die eigene Wirtschaft gezielt bevorzugt und damit internationale Wettbewerbsregeln unterläuft. Das Handelsbilanzdefizit zwischen Deutschland und China steigt stetig; der politische Druck zwingt deutsche Firmen zu mehr 'vor-Ort-Produktion'. Neuere Berichte aus verschiedenen Quellen zeigen: Die Diskussion über Chinas Rolle in der globalen Lieferkette, besonders bei kritischen Rohstoffen, wird immer hitziger (so z.B. FAZ und Handelsblatt, Stand: Juni 2024). Mehrfach mahnen Manager und Politik zu mehr Dialog – aber mit offenen Karten. Aus aktuellen Analysen geht zudem hervor, dass der wirtschaftspolitische Kurs Pekings auch im Kontext der globalen Energiewende und CO2-Reduktion immer wichtiger wird.

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