Ex-Manager Tom Enders warnt vor deutschem Alleingang bei Kampfjet-Entwicklung

Tom Enders, ehemaliger Airbus- und EADS-Chef sowie Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, sieht die Entwicklung eines rein deutschen Kampfflugzeugs kritisch – und plädiert stattdessen für internationale Partnerschaften.

heute 00:02 Uhr | 4 mal gelesen

Da gibt’s gerade viel Unruhe: Tom Enders, erfahren im internationalen Rüstungsbusiness, meldet sich mit einer ziemlich scharfen Warnung zu Wort. In einem Gastbeitrag für das Redaktionsnetzwerk Deutschland kritisiert er aktuelle Rufe – etwa vom Bundesverband der deutschen Luftfahrtindustrie oder von der IG Metall – nach einem eigenen deutschen Kampfjet. Was ihm Sorge bereitet? Laut Enders droht ein enormer Ressourcenverschleiß, falls Deutschland allein ein neues Flugzeug entwickeln sollte. Im Hintergrund brodelt auch das große, aber ins Straucheln geratene europäische FCAS-Projekt mit Frankreich und Spanien, das etwa 100 Milliarden Euro verschlingen würde. Interessant ist sein Rückblick: Enders meint, das Festhalten an Paris nach dem Brexit und der Verzicht auf eine Kooperation mit London sei ein strategisches Eigentor gewesen. Er sagt jedoch klar, dass Deutschland in Sachen neuer Kampfjets durchaus international denken sollte, und schlägt etwa das britische GCAP-Vorhaben oder Kooperationen mit Saab/Schweden vor. Und dann, fast schon nebenbei, stellt er die bisherige Denke auf den Kopf: Statt Milliarden in riesige, bemannte Jets zu stecken, empfiehlt Enders, sich auf autonome, intelligente Drohnensysteme zu konzentrieren. Gerade in puncto Software und KI sieht er Deutschlands Industrie im Vorteil – und bemannte Flugzeuge in etlichen Jahren eher als Randnotiz der Militärgeschichte.

Tom Enders betont, dass ein nationaler Alleingang im Kampfjetbau für Deutschland eine riskante Fehlentscheidung wäre und plädiert für verstärkte Zusammenarbeit mit Partnern wie Großbritannien oder Schweden. Angesichts des drohenden Endes von FCAS rät er, Ressourcen lieber in Drohnen- und KI-Technologien zu investieren, da diese zukünftig die Luftkriegsführung prägen werden. Laut aktueller Debatte in der Fachpresse gerät die europäische Rüstungskooperation insgesamt unter Druck: Während Frankreich und Spanien am FCAS-Projekt festhalten wollen, diskutiert Deutschland öffentlich Alternativen, wobei die Dringlichkeit militärischer Innovation und die Bündelung europäischer Kräfte regelmäßig betont werden. In aktuellen Berichten wird hervorgehoben, dass die Verteidigungsfähigkeit Europas in Zeiten politischer Unsicherheit auf dem Spiel steht und das Scheitern solcher Großprojekte wie FCAS ernsthafte strategische Konsequenzen haben könnte. Parallel dazu verstärkt insbesondere die NATO ihre Forderungen nach schnelleren und effizienteren neuen Technologien, um der dynamischen Bedrohungslage in Europa zu begegnen.

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