„Wir laufen Gefahr, uns selbst ins Hintertreffen zu manövrieren – nicht nur wegen langsamer Industrieprozesse, sondern vor allem, weil wir uns mit überbordender Regulierung fesseln“, betont Laubenthal in einem Meinungsbeitrag für die FAZ. Der Westen hinke im Vergleich zu Staaten wie Russland hinterher, besonders beim Produktionsvolumen und dem Tempo. Überraschend deutlich fordert er weniger Formularpflichten und Auflagen, stattdessen sollten schnellere Genehmigungen für neue Munitions- oder Rüstungsfabriken das Ziel sein. Nur mit klaren rechtlichen Rahmenbedingungen könnten Unternehmen gezielt Kapazitäten hochfahren und im Zweifel auch das Arbeitsrecht flexibler auslegen. Ein Aspekt, der oft untergeht: Wichtige Vorprodukte – etwa bestimmte Chemikalien oder Metalle – werden nach alten, friedenszeitlichen Maßstäben behandelt. Genau da schleicht sich die Schwäche ein, meint Laubenthal: Wer im Ernstfall auf stabile Lieferketten vertraut, riskiere unangenehme Überraschungen. Noch kurioser: Systeme, die sich bereits in der Ukraine bewährt haben, müssten im Westen langwierig zertifiziert werden – ein Bumerang für die Truppe, weil Zeit für Schulung und Einsatz verloren geht. Und einfach Vorräte zu horten, reicht eben nicht. Üben müsse die Devise sein – beispielsweise mit Drohnen. Nur so, erklärt er sinngemäß, werde gegenüber Russland wirklich Abschreckung aufgebaut. Laubenthal weiß, wovon er spricht: Als Chief of Staff im NATO-Oberkommando SHAPE steuert er mit an zentraler Stelle die Militärstrategie Europas.
NATO-General Laubenthal warnt, dass Europas Fähigkeit zur Abschreckung durch eine langsame, bürokratisch gebremste Rüstungsproduktion bedroht wird. Er sieht die Verantwortung nicht allein bei der Industrie, sondern klagt zu viele Regulierungen, unsichere rechtliche Bedingungen und friedenszeitliche Denkweisen an. Weitere Recherchen zeigen, dass diese Kritik auf einen wachsenden Konsens stößt: Die Diskussion um schnellere Prozesse, beschleunigte Lieferungen und Anpassungen beim Arbeitsrecht wird inzwischen in mehreren EU-Staaten geführt – viele Experten fordern mehr Investitionen, eine Stärkung der Lieferketten, aber auch flexiblere Gesetze angesichts der angespannten Sicherheitslage, wie jüngst bei mehreren NATO-Treffen und in aktuellen Parlamentsdebatten erneut betont wurde.