Was Polarise sich vorgenommen hat, klingt fast schon nach Zukunftsmusik, ist aber in Bayern bald Realität: Das Technologieunternehmen will in Amberg, im bekannten Unterallgäu nahe Augsburg, ein neues Rechenzentrum speziell für künstliche Intelligenz aus dem Boden stampfen. Die Fläche, einst berüchtigt als Kurzwellensender Wertachtal, wird radikal umgenutzt – aus Radiowellen wird Rechenkraft. Die besondere Note: Das Startvolumen von 30 Megawatt – zweifach so viel wie das noch frische Münchener KI-Zentrum – ist nur der Anfang. Perspektivisch sind bis zu 120 Megawatt drin, vorausgesetzt, alles läuft wie vorgesehen. Interessant ist dabei eine Sache, die gerne übersehen wird: Der schnelle Aufbau. Während andere noch Baupläne entwerfen, steht bei Polarise die Technik fast schon schlüsselfertig in den Startlöchern. Die modularen "AI Pods" machen’s möglich, indem sie bestehende Bauten verwandeln, statt neue Ressourcen zu verschlingen. Bürgermeister und Energiepartner zeigen sich entsprechend stolz, betonen Nachhaltigkeit und Innovationsdrang. Kein Wunder, denn die geplante Energieversorgung stammt zum Großteil aus Sonnenstrom, Solarfeldern, Windrädern und Batteriespeichern – eine Verschmelzung von Energiewende und Digitalisierung, die in politischen Sonntagsreden öfter vorkommt als draußen vor Ort. Ganz so glatt läuft's natürlich nie – bis alle Beschlüsse durch sind, kann schon mal ein Wahlergebnis dazwischengrätschen. Auch bleibt abzuwarten, wie reibungslos die grüne Energieversorgung mit dem massiven Stromdurst von KI wirklich Schritt hält. Doch der Anspruch ist klar: Keine feuchten Rechenzentren mehr im Keller, sondern Infrastruktur im Industriemaßstab, made in Germany. Falls das alles klappt wie versprochen, klingt das schon ziemlich richtungsweisend.
Der geplante Neubau von Polarise in Amberg ist ein bewusstes Statement für klimafreundliche Hochtechnologie. Dass KI-Standorte wie dieser zunehmend als Symbol für deutschen Fortschritt und Unabhängigkeit gehandelt werden, zeigte sich nicht zuletzt auf dem Digitalgipfel 2024: Bund, Länder und Unternehmen sind unter wachsendem Druck, Europas Souveränität beim Thema KI zu sichern. Erste Stimmen aus Energie- und Digitalwirtschaft warnen allerdings davor, dass Stromnetze und politische Verfahren manchmal zu träge für den KI-Boom sind. Laut aktuellen Branchenberichten aus dem Juni 2024 ist der Anteil von Rechenzentren, die in Deutschland mit erneuerbarer Energie betrieben werden, innerhalb eines Jahres um knapp 12% gestiegen; das Ziel ist aber noch lange nicht erreicht. In der Nachbarschaft von Augsburg hält sich die Skepsis: Bürgerinitiativen fürchten Flächenversiegelung, Vorteile beim lokalen Arbeitsmarkt bleiben bislang wage. Dennoch: Mit dem Amberger Projekt könnte Polarise einer von mehreren Knotenpunkten in einem zukünftigen europäischen KI-Netz werden, bei dem Nachhaltigkeit praktisch und nicht bloß als Etikett funktioniert.