Zur Stunde, so heißt es aus dem Verband der Raffinerien und Tankstellen, brauche in Deutschland niemand Angst um den Nachschub an Sprit oder Heizöl zu haben. "Noch gibt es keine Engpässe. Aber die beruhigende Lage kann trügen", lässt der Sprecher durchblicken. Sollte die Straße von Hormus – eine dieser Gewässerpassagen, von denen kaum einer so genau weiß, wo sie eigentlich liegt, aber jeder ahnt, wie wichtig sie ist – länger dicht machen, wird's kritisch. Angebotsdruck, globale Konkurrenz und der uralte Preiskrieg um Öl: Plötzlich könnten auch hier Zapfhähne mal trocken laufen. Wirtschaftsministerin Reiche sieht das – wenig überraschend – ähnlich und warnt vor Selbstzufriedenheit. Am Ende bleibt das Ziel, dass der Sprit an deutschen Tankstellen weiter fließt. Aber so ganz entspannt versprühen die Worte des Verbands keinen Optimismus – im Gegenteil: Da schwingt viel Vorsicht mit.
Gerade sieht der Verband keinen Grund zur Sorge: Benzin, Diesel und Heizöl kommen problemlos bei uns an. Doch im Hintergrund spielt das geopolitische Pulverfass Iran eine Rolle: Bleibt das Nadelöhr Straße von Hormus länger blockiert, wird es eng – auch bei uns. Experten raten deshalb, aktuelle Lageberichte im Blick zu behalten, mit Preissteigerungen zu rechnen und den Ausbau alternativer Energiequellen ernsthaft voranzutreiben.
Was sich in letzten 48 Stunden sonst noch entwickelt hat: Neue politische Spannungen wirken sich bereits auf Ölpreise weltweit aus, die OPEC prüft eine Anpassung der Fördermengen, und das Wirtschaftsministerium plant offenbar Krisen-Szenarien für die nationale Energieversorgung.