Omid Nouripour pocht auf stärkere Unterstützung für Narges Mohammadi

Omid Nouripour, Bundestagsvizepräsident von Bündnis 90/Die Grünen, appelliert an Europas Politik, der inhaftierten iranischen Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi endlich sichtbarer beizustehen.

heute 09:03 Uhr | 3 mal gelesen

Die Lage um Narges Mohammadi, Friedensnobelpreisträgerin und Symbolfigur des Protests gegen das iranische Regime, spitzt sich weiter zu; Berichten zufolge wurde sie im Gefängnis nicht nur Opfer von Gewalt, sondern auch an einen unbekannten Ort verschleppt. Nouripour, sichtlich erschüttert, kritisierte, dass ausgerechnet Europa – eigentlich ein Kontinent, der sich gerne als moralischer Kompass versteht – bislang verstörend still geblieben ist. Gerade diese Lautlosigkeit, so Nouripour, komme den Machthabern in Teheran zupass, denn wer keine Öffentlichkeit hat, verschwindet eben schneller in Vergessenheit. Er verlangt: "Europa darf nicht länger schweigen, Mohammadi muss – wie alle politischen Gefangenen – ohne Wenn und Aber freikommen." Die Gleichgültigkeit sei für Iranerinnen und Iraner, die ohnehin allen Mut zusammennehmen, ein doppelt schmerzhaftes Signal. Auffällig: Es gibt im Iran keine deutlichen Oppositionsfiguren mit Führungsanspruch, weil das Regime sie systematisch ausschaltet. Nouripour sieht auch Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, als eine mögliche Übergangsfigur – doch im Kern, betont er, liege die Entscheidungsbefugnis beim iranischen Volk. Wer es sich zu einfach macht, verkennt die Dynamik: Die Iraner sollen selbst bestimmen, wer sie repräsentiert – alles andere wäre eine Farce. Doch dass Europa nicht einmal die Mindestanforderungen an Solidarität erfüllt, bleibt für Nouripour unverständlich und nicht akzeptabel.

Narges Mohammadi, kürzlich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, sitzt weiterhin unter schwierigen Bedingungen im Iran in Haft. Nouripour mahnt vehement eine deutlichere europäische Reaktion auf ihr Schicksal an und sieht die Passivität der EU als fatales Signal, das politische Repression begünstigt. Seit Monaten sorgt weltweit der Umgang Teherans mit Dissidenten für Empörung – und dennoch bleibt die Freilassung von Mohammadi bislang reines Wunschdenken. In den letzten Tagen meldeten Menschenrechtsorganisationen eine weitere Verschlechterung ihrer Situation, nachdem sie offenbar Opfer von Misshandlungen wurde und an einen unbekannten Haftort gebracht worden ist. Laut Amnesty International und Reporter ohne Grenzen steigt der internationale Druck, aber konkrete Taten, wie etwa Sanktionen gegen Verantwortliche im iranischen Justizapparat, lassen auf sich warten. Die aktuellen Protestbewegungen in Iran sind zudem weiterhin fragmentiert, nachdem das Regime zentrale Figuren entweder einschüchtert oder gar beseitigt. In Deutschland und Europa insgesamt ist eine öffentliche Solidarisierung weiterhin eher verhalten.

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