Es ist wieder soweit – nach einer längeren Pause kommt die CDU zu einem sogenannten Kanzler-Parteitag zusammen, und Jens Spahn nutzt die Gelegenheit, um ein wenig Grundsatzstimmung zu machen. Was mich an seiner Argumentation überrascht (oder auch nicht): Spahn pocht darauf, dass sich Einsatz in Deutschland lohnen müsse. Im Klartext – jeder, der sich reinhängt, sollte die Chance auf ein Eigenheim bekommen, sagt er. Dass er dabei explizit auch Verkäuferin, Handwerker oder Pflegekraft nennt, wirkt fast schon wie eine kleine Rebellion gegen die übliche Polit-Rhetorik, die allzu oft an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbeigeht.
Mal ehrlich: Die eigenen vier Wände waren lange ein Symbol für die berühmte „Leistungsgesellschaft“. Dass das in den letzten Jahren für viele zur Illusion wurde, ist kein Geheimnis. Spahn sieht das ebenso: Von ihm kommt die klare Aussage, dass die CDU darauf drängen müsse, diesen sozialen Aufstieg wieder möglich zu machen – angefangen beim Leitantrag zum Wohnungsbau. Das klingt ambitioniert, aber ich frage mich, wie konkret diese Ideen nach dem Parteitag tatsächlich umgesetzt werden. Zwischen Schlagworten und konkreten Schritten klafft oft eine ziemlich große Lücke. Und doch: In Zeiten, in denen Abstiegsängste und soziale Spaltung wachsen, ist es zumindest ein Signal an die vielen, die sich irgendwie abgehängt fühlen.
Jens Spahn nutzt den CDU-Parteitag, um an das klassische Aufstiegsversprechen zu erinnern und fordert, dass sich Leistung wieder auszahlen müsse. Der Fokus liegt auf bezahlbarem Wohnraum – auch für Berufsgruppen, die oft übersehen werden, wie Pflegekräfte oder Verkäufer*innen. Angesichts steigender Wohnkosten und einer wachsenden sozialen Kluft in Deutschland könnte dieses Bekenntnis vielen Menschen Hoffnung geben, realistisch ist es aktuell aber nur schwer umzusetzen.
In den letzten 48 Stunden wurde zudem in anderen Medien berichtet, dass der CDU-Parteitag nicht nur das Thema sozialen Aufstieg, sondern auch Strategien zur Mitgliedergewinnung, innere Sicherheit und Digitalisierung in den Blick nimmt. Auch der Wunsch nach einer klaren Kanzlerkandidatur wird innerhalb der Partei laut, wobei die Diskussionen lebhaft und teils kontrovers verlaufen. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und wachsender politischer Konkurrenz positioniert sich die CDU gleichzeitig als „Partei der Mitte“ – ein Balanceakt zwischen Tradition und Reformdruck.