Der Name Gustave Courbet ist Synonym für künstlerische Unangepasstheit und radikale Wirklichkeitsverbundenheit. Jetzt hat das Leopold Museum in Wien eine Großschau eröffnet, die Courbets Weg von skandalumwittertem Revolutionär zum prägenden Maler modernen Kunstverständnisses nachzeichnet. Gut 130 ausgewählte Werke – von Ölmalerei über Zeichnungen bis hin zu Archivstücken – erzeugen ein dichtes Mosaik aus Lebensphasen, Stimmungen und Experimenten dieses Künstlers.
Courbets Devise war nie Gefälligkeit, sondern ein ständiges Rütteln an gewohnten Sehgewohnheiten. In Porträts, Akten oder Szenen des ländlichen Lebens konterkariert er dankbarerweise die Idealisierungen seiner Zeit – ein Bauernjunge genauso wie eine emanzipierte Frau, auf Leinwand so präsent dargestellt wie einst nur Helden und Götter. Seine Technik? Kräftige Schwünge mit dem Spachtel, Farben, die fast modelliert wirken, Sinnlichkeit statt Deko. Irgendwie fühlt man: Da hat einer auf den Sesseln der Salons unruhig gewippt.
Einige der spektakulärsten Werke – "Nach dem Abendessen in Ornans" oder das vieldiskutierte "Der Ursprung der Welt" – haben den Weg nach Wien gefunden, teils eigens ausgeliehen aus französischen Museen. Diese Ausstellung treibt es nicht bloß bunt, sie macht Courbets Bruch mit konventionellen Bildwelten sichtbar. Er zwang die Kunst beinahe, hinzuschauen und auszuhalten, was ist, jenseits schöner Fassaden.
Doch es ist nicht nur die Malerei, die Courbet zum Grenzgänger macht. Der Künstler mischte auch politisch mit, engagierte sich während der Pariser Kommune und bezahlte am Ende teuer dafür: Gefängnis und Flucht ins Exil bestimmten sein Lebensende. Die Verschränkung von Kunst und Verantwortung zieht sich wie ein roter Faden durch die Präsentation.
Zuletzt, ein Hauch Ironie des Schicksals: Courbet hatte eine Wiener Ausstellung zu Lebzeiten nur erträumen können, jetzt – über 150 Jahre später – kommt sie zur Verwirklichung.
Im Atrium treffen Darstellungen courbet’scher Klarheit auf die zeitgenössischen Malweisen von Yan Pei-Ming und Georg Baselitz, ein Spannungsfeld, das neugierig macht auf Kunst von heute. Auf prominente Unterstützung kann sich die Schau ebenfalls berufen: Die Präsidenten von Frankreich, Deutschland und Österreich stehen persönlich Pate für das Projekt. Und ein umfassender Ausstellungskatalog hält die wichtigsten Erkenntnisse zum Nachschlagen bereit.
Die Ausstellung "Gustave Courbet. Realist und Rebell" im Leopold Museum präsentiert erstmals in Österreich eine große Retrospektive des revolutionären Realisten, mit Leihgaben von Weltrang und selten gezeigten Werken. Die Werkschau zeichnet Courbets Entwicklung von der Maltechnik über gesellschaftskritische Inhalte bis hin zu seinem politischen Engagement nach und beleuchtet seine Rolle als Wegbereiter der Moderne. Ergänzend zeigt das Museum, wie Courbets kompromisslose Position bis heute Künstler inspiriert und gesellschaftliche Debatten anstößt.
Weitere Details aus aktuellen Themen und Artikeln: In der "Süddeutschen Zeitung" wurde kürzlich thematisiert, wie die anhaltende Aktualität Courbets Werk besonders in der heutigen Debatte um gesellschaftliche Verantwortung von Kunst sichtbar wird. "Die Zeit" berichtet in einem ausführlichen Beitrag über die logistische Herausforderung und internationale Bedeutung, solche Leihgaben wie "Der Ursprung der Welt" zu sichern und nach Wien zu bringen. Im Kulturteil bei "Spiegel Online" wird Courbets Exilzeit in der Schweiz und das Verhältnis zu zeitgenössischer Kunst noch tiefergehend betrachtet, was auch Parallelen zu aktuellen Fragen nach politischem Engagement von Künstlern schlägt.