Die Linke startet vielsprachige Wahlkampfoffensive in Baden-Württemberg

Mit einer ungewöhnlichen Strategie versucht die Linke im Landtagswahlkampf, Menschen mit Migrationsbiografie gezielt muttersprachlich zu erreichen.

heute 13:29 Uhr | 1 mal gelesen

Ein bisschen überraschend, wie ein Frühlingsregen im März: Die Linke will diesmal anders – nein, aufgeräumter und diverser – den Wahlkampf in Baden-Württemberg angehen. Der Parteichef Jan van Aken stand zuletzt im Fokus, denn er hat sich nicht lumpen lassen und Sprachunterricht in fünf Fremdsprachen genommen – Türkisch, Italienisch, Griechisch, Bosnisch und Arabisch. Das ist kein Scherz, sondern Teil eines Plans: Auf Videos, die nach und nach in den sozialen Medien auftauchen, grüßt van Aken nicht nur auf Deutsch, sondern spricht Menschen direkt in deren Muttersprache an. Schon am vergangenen Dienstag wurde der Startschuss gesetzt – es begann mit Italienisch. Da ging es gleich auch um knallharte Themen wie bezahlbaren Wohnraum und die Landtagswahl am 8. März. Doch warum überhaupt die Mühe, mag man sich fragen? Die Partei sagt, sie habe festgestellt, dass viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte – auch nach Jahrzehnten – von der Politik wenig erwarten. "Echte Nähe entsteht markanter, wenn die Kommunikation persönlichen Bezug hat", so van Aken sinngemäß. Es sei ein Zeichen von Respekt, Leute in ihrer Muttersprache anzusprechen – und ehrlich gesagt: Wer wirksam Wahlkampf machen will, muss auch unkonventionell sein. Statistiken sprechen ebenfalls für das Experiment: Während die Linke landesweit laut aktuellen Umfragen bei sieben Prozent liegt, erreicht sie in der Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund sogar zwölf Prozent. Zeigt das Mut? Vielleicht. Aber auch Pragmatismus und ein gewisses Gefühl für Zwischentöne im politischen Austausch.

Die Linke setzt in Baden-Württemberg erstmals auf einen Wahlkampf, der aktiv auf Bürger mit Migrationshintergrund in ihren Herkunftssprachen zugeht. Einige Initiativen dieser Art sind bislang selten, doch sie könnten das politische Klima nachhaltig beeinflussen, wie wissenschaftliche Stimmen betonen. Ein persönlicher Zugang in der jeweiligen Muttersprache wird von Parteichef van Aken – neben Respekt – als entscheidende Brücke zu Menschen gesehen, die sich ansonsten von der Politik vernachlässigt fühlen. Ein erstes, auf Italienisch aufgenommenes Instagram-Video eröffnet die Reihe der vielsprachigen Kampagnenclips, von denen in den kommenden Tagen weitere (auf Türkisch, Arabisch, Griechisch und Bosnisch) folgen sollen. In aktuellen Umfragen liegt die Linke unter Wählern mit Migrationsgeschichte deutlich vor ihrem landesweiten Schnitt – ein Zeichen, dass sich das vielsprachige Konzept durchaus auszahlen könnte. Recherchen zufolge setzen auch andere Parteien und Organisationen im Wahlkampf neuerdings stärker auf Minderheitenansprache, allerdings meist nur punktuell und selten so systematisch wie die Linke es nun versucht. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hält diese Ansätze für "grundsätzlich integrationsfreundlich"; politikwissenschaftliche Stimmen warnen jedoch vor Symbolpolitik ohne nachhaltige Partizipation. Gleichzeitig berichten Migrantennetzwerke von einem steigenden Interesse, sich zumindest punktuell politisch einzubringen, sofern sie sich adressiert und respektiert fühlen.

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