Mehrheit der Deutschen gegen Merkel als Bundespräsidentin

Angela Merkel will niemand so recht im Schloss Bellevue sehen – eine neue Umfrage zeigt: Die meisten Deutschen wünschen sich sie nicht als künftige Bundespräsidentin.

heute 12:59 Uhr | 3 mal gelesen

Man könnte fast meinen, Angela Merkel hätte nach all den Jahren als Kanzlerin ein politisches Ruhepolster für jedes denkbare Spitzenamt. Doch eine frische Forsa-Umfrage für RTL und ntv zeigt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung wenig Lust auf Merkel als Bundespräsidentin hat. 54 Prozent der Befragten würden sich nicht über Merkels Rückkehr ins höchste Staatsamt freuen – bloß 35 Prozent befürworten diese Idee. Das Vertrauen, dass sie heute noch als Regierungschefin die Wirtschaft wirklich voranbringen könnte, ist ziemlich gering: Nur knapp ein Drittel glaubt daran, während fast doppelt so viele skeptisch sind. Interessanterweise traut man ihr auch nicht zu, das transatlantische Verhältnis maßgeblich zu verbessern – selbst hier fehlt oft der Glaube. Und was Russland angeht, herrscht fast durchweg Skepsis, dass sie einen Draht zu Putin hätte, der etwas bewegt. Wenn es um die AfD geht, ist die Einschätzung wenig schmeichelhaft: 60 Prozent meinen, die Partei wäre auch unter Merkel stark geworden. Ihr wird von drei Vierteln der Befragten zudem ein zu zaghaftes Vorgehen beim Thema Infrastruktur-Investitionen nachgesagt – da schwingt offenbar der Unmut über kaputte Brücken und lahmenden Netzausbau mit. Übrigens: Angela Merkel selbst hat bereits abgewinkt und kein Interesse am Bundespräsidentinnen-Amt signalisiert. Die Umfrage jedenfalls wurde am 18. und 19. Februar mit gut tausend Menschen durchgeführt – alles sehr aktuell, die Stimmungslage der Nation eingefangen.

Angela Merkel als Bundespräsidentin? Der Gedanke stößt eher auf Zurückhaltung. Die aktuelle Umfrage von Forsa zeigt, dass die frühere Kanzlerin weder als wirtschaftliche Hoffnung noch als diplomatisches Ass mehrheitlich wahrgenommen wird. Besonders überraschend war für viele, wie fundamental der Zweifel an ihrer Fähigkeit ist, die AfD kleinzuhalten oder entscheidende Modernisierungsimpulse bei der Infrastruktur zu setzen. Manche Beobachter weisen darauf hin, dass die kritische Bewertung ihrer Amtszeit wohl mehr mit gegenwärtigen Frustrationen zu tun hat, als mit nüchternem Rückblick – das Jüngste-gestern-Prinzip quasi. In Medienberichten wird wiederholt darauf hingewiesen, dass Merkel persönlich ohnehin keinerlei Interesse an dem Posten zeigt und lieber außerhalb des Rampenlichts bleibt. Ein Nebenaspekt, der auffällt: Im direkten Vergleich mit möglichen anderen Bundespräsidentenkandidaten taucht ihr Name zwar regelmäßig auf, doch von einer Begeisterung wie einst beim Wechsel von Köhler zu Wulff ist nichts zu spüren.

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