Merz' Chinareise ist ein Signal, Deutschlands Balanceakt zwischen wirtschaftlicher Kooperation und politischer Eigenständigkeit gegenüber China fortzusetzen. Die Gespräche werden stark von der aktuellen Weltlage beeinflusst: Der russische Krieg gegen die Ukraine zwingt Deutschland und die EU, mit China auch über sicherheitspolitische Verantwortung zu reden – eine Rolle, in der Peking bisher eher zurückhaltend agiert. Besonders aufmerksam beobachten Politiker und Beobachter, wie Merz das Verhältnis von gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen und klaren politischen Forderungen in Einklang bringen kann. Ergänzend berichteten mehrere Medien zuletzt, dass die deutsch-chinesischen Beziehungen nach den diplomatischen Verstimmungen der letzten Monate wieder vorsichtig an Fahrt aufnehmen, wobei Peking zunehmend nach Wegen sucht, die Sorgen Europas über Technologietransfers und unfaire Handelspraktiken zu adressieren. Interessant: In China selbst werden Reisen europäischer Politiker als Chance gesehen, Einfluss auf gegenseitige Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung zu nehmen – ebenso aber, um den außenpolitischen Kurs gegenüber Russland auszuloten. Die deutsche Delegation wird vermutlich auch die Digitalisierung und Fragen um Menschenrechte zumindest am Rande thematisieren, wenn auch eher diplomatisch zurückhaltend.