Nach Einschätzung des Leipziger Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wird Ostdeutschland auch 2026 geringfügig stärker wachsen als der Westen: Das Plus soll bei 0,7 Prozent liegen, während für ganz Deutschland 0,6 Prozent erwartet werden. Die Arbeitslosenquote im Osten bleibt mit 7,9 Prozent hoch, ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2025. Laut dem Frühjahrsgutachten der Gemeinschaftsdiagnose erholt sich die deutsche Wirtschaft, hängt aber noch den Preisschocks infolge des Iran-Konflikts nach – die expansive Finanzpolitik mildert dies ab, lässt aber den Aufschwung insgesamt eher schwach erscheinen. Interessant: Wie schon in den letzten Jahren wird der Abstand im Wachstum durch Berlin mit seinen 1,1 Prozent Zuwachs gemacht. Der Dienstleistungssektor (Handel, Verkehr, Gastgewerbe, IT) schneidet im Osten weiterhin besser ab als im Westen, während sich die Industrie weniger dynamisch entwickelt. Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Rückgang in Ostdeutschland niedriger (?0,8 Prozent) als im gesamtdeutschen Vergleich (?1,0 Prozent), doch jüngste Umsatzzahlen aus der Industrie deuten drauf hin, dass die Ost-West-Kluft kleiner wird. Allzu große Euphorie ist also fehl am Platz. Für 2027 werden für beide Landesteile 0,9 Prozent Wachstum prognostiziert, die ostdeutsche Arbeitslosigkeit dürfte auf 7,8 Prozent zurückgehen.
Oliver Holtemöller vom IWH weist darauf hin, dass Energiepreise für das produzierende Gewerbe im Osten nach wie vor eine größere Rolle spielen, weil hohe Energieintensität vorherrscht – andererseits wird die Wirtschaft insgesamt durch die starke Dienstleistungsorientierung (75 Prozent Anteil an Wertschöpfung, im Westen 71 Prozent) etwas abgefedert.
Die Wirtschaft Ostdeutschlands schiebt sich, getragen von Berlin und dem Dienstleistungssektor, leicht vor die gesamtdeutsche Entwicklung – bleibt jedoch mit einer merklich höheren Arbeitslosigkeit konfrontiert und ist von Schwankungen, vor allem in der Industrie und der Energiepreisentwicklung, anfällig. Neuere Daten und Berichte zeigen, dass die andauernde Unsicherheit an den Energiemärkten und geopolitische Risiken (insbesondere durch den Nahost-Konflikt) weiter belasten, während das Wachstum in ganz Deutschland nur langsam wieder anzieht. Aus zahlreichen Analysen der letzten Tage wird deutlich, dass konjunkturelle Hoffnungen vor allem auf einem abflauenden Preisdruck, dem Anziehen der Konsumnachfrage und stabileren politischen Rahmenbedingungen ruhen. Schaut man genauer hin, so bleibt die strukturelle Schwäche des Ostens (weniger starke Industrie, höhere Energieabhängigkeit, Arbeitsmarktprobleme) eine Achillesferse. Positiv hingegen: Berlin zeigt sich als Kraftzentrum und Schrittmacher. Laut neuesten Veröffentlichungen muss aber insbesondere die Industrie Ostdeutschlands künftig besser gegen Preisschocks gewappnet werden – die Energieintensität bleibt ein Risiko. In aktuellen Debatten auf wirtschaftspolitischen Plattformen wurden zudem gezielte Investitionen in Infrastruktur und Forschung für die nächsten Jahre gefordert, da sich insbesondere innovative Mittelständler im Osten oft schwer tun, bei der Digitalisierung oder dem Wandel in der Energiewirtschaft Schritt zu halten.