Bild: Meurer zu Barmer Pflegereport: "Das sind Menschen, für die es keine Versorgungskapazitäten gibt."/bpa fordert Bund-Länder-AG auf, die Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt der Beratungen zu stellen presseportal.de
Wenn ich ehrlich bin, habe ich ein mulmiges Gefühl, jedes Mal wenn ich die aktuellen Zahlen zur Pflege in Deutschland sehe – wie heute mit dem Barmer Pflegereport. Man redet ja oft von Zahlen, aber am Ende des Tages stehen da Menschen; solche, die dringend Unterstützung brauchen, für die es aber oft schlicht keinen Platz gibt. Man muss sich vorstellen: Die Babyboomer stehen erst am Anfang dieser Entwicklung, sie verlassen jetzt den Pflegeberuf (was die Personalknappheit weiter verschärft), und schon bald werden viele von ihnen selbst auf Hilfe angewiesen sein.
Was passiert derweil? Das Angebot verschwindet, statt auszubauen. Immer mehr Heimplätze oder ambulante Dienste werden geschlossen, während sich Eltern, Kinder oder Partner fragen, wie sie das überhaupt noch stemmen sollen. Vieles davon hängt an absurden Verzögerungen bei den Zahlungen durch Sozialhilfeträger oder an Gesetzen, die den Fachkräftemangel kaum dämmen. Meurers Forderung ist klar: Die Arbeitsgruppe von Bund und Ländern darf das Thema Versorgungssicherheit jetzt nicht länger auf die lange Bank schieben. Das heißt: Finanzierung und Bürokratie entschlacken, Personal auch aus dem Ausland leichter anerkennen und Prozesse digitalisieren. Sonst geht in absehbarer Zeit wirklich das Licht aus in der Pflege.
Der aktuelle Barmer Pflegereport macht unmissverständlich deutlich: Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst rasant, während das Pflegeangebot nicht hinterherkommt. Der deutsche Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) kritisiert unzureichende politische Maßnahmen, langwierige Zahlungswege und fehlende Strategie gegen den Fachkräftemangel – was zu einem kontinuierlichen Abbau an stationären wie ambulanten Angeboten führt. In der laufenden Bund-Länder-Arbeitsgruppe fordert bpa-Präsident Meurer eine grundlegende Kehrtwende: Mehr Geld, weniger Papierkram, bessere Anerkennung internationaler Pflegekräfte und eine ambitionierte Digitalisierungsstrategie. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums wurden neue Fördermittel und Pilotprojekte lanciert, etwa zur Digitalisierung und zur Fachkräftegewinnung im Ausland, doch Branchenvertreter fordern konkretere, schnellere Umsetzung.*
*Der Pflegedienstmarkt steht laut Studien der Bertelsmann-Stiftung zudem vor einer verschärften Versorgungslücke, sollte der Trend sich fortsetzen: Bis 2030 könnten mehr als 500.000 Pflegekräfte in Deutschland fehlen, sofern keine wirksamen Reformen eingeleitet werden.