Erdrückende Bürokratie: Unternehmer empfinden Aufwand als steigend

Viele deutsche Unternehmen stöhnen über immer mehr und immer kompliziertere Vorschriften – zumindest fühlt es sich für sie so an, wie eine neue Umfrage zeigt.

heute 01:59 Uhr | 5 mal gelesen

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat im letzten Herbst rund 1.000 Firmen in Deutschland auf den Zahn gefühlt. Die deutlichste Erkenntnis daraus: Der Bürokratieaufwand wächst – viele sagen sogar, er wächst kräftig. Laut Auswertung (laut 'Welt am Sonntag') empfinden 78 Prozent aller befragten Unternehmen, dass die Bürokratie zunimmt. Große Unternehmen (über 250 Angestellte) trifft das Gefühl noch heftiger: Hier sind es sogar fast 93 Prozent. Besonders schuld daran ist, was fast alle (ungefähr 90 Prozent) sagen: Die unaufhörlich wuchernde Komplexität von Gesetzen, Regeln, Kontrollpflichten. Gut zwei Drittel stolpern immer wieder über widersprüchliche Verordnungen und Gesetzestexte. Und 65 Prozent spüren, wie neue Pflichten von Geschäftspartnern einfach eins zu eins an sie weitergereicht werden. Große Erwartungen setzt die Wirtschaft laut Umfrage an die EU – fast 93 Prozent hoffen, dass klarere, schlankere Vorgaben aus Brüssel das Dickicht an Regeln lichten. Insgesamt schätzt das IW, dass es inzwischen in Deutschland etwa 100.000 Regelungsfälle gibt – ein Fünftel mehr als 2010. Interessant: Die Einschätzung der Unternehmen steht im Widerspruch zu amtlichen Zahlen. Während das Statistische Bundesamt auf leicht sinkende Bürokratiekosten für die Wirtschaft hofft, hält das IW diese Einschätzung für „zu rosig“. Die Bundesregierung will eigentlich die Belastung um ein Viertel, also etwa 16 Milliarden Euro, senken – aber ob daraus wirklich was wird ... tja, da darf man wohl skeptisch sein.

Die steigende Bürokratielast wird von Unternehmern mehrheitlich und immer deutlicher als Problem empfunden – laut einer aktuellen IW-Umfrage geben insbesondere größere Unternehmen an, dass der Aufwand an Vorschriften und Formalitäten wesentlich wächst. Mehr als zwei Drittel beklagen zunehmende Komplexität und sogar Widersprüche zwischen verschiedenen Regelungen, was unter anderem die Abstimmung mit Geschäftspartnern erschwert oder zu neuen Pflichten führt. Die Differenz zwischen staatlicher Einschätzung und dem tatsächlichen Belastungsempfinden in der Wirtschaft bleibt groß – die Bundesregierung möchte zwar die Bürokratie abbauen, tatsächlich nimmt die Anzahl der Vorschriften aber weiter zu und konkrete Entlastungen lassen auf sich warten. Ein Blick auf aktuelle Nachrichten zeigt, dass sich das Thema quer durch verschiedene Medien fortsetzt: Große Wirtschaftsverbände fordern einen schnelleren und mutigen Bürokratieabbau, die Erwartungen an die geplanten Vereinfachungen im EU-Recht sind hoch, doch viele Experten zweifeln, ob die angekündigten Erleichterungen spürbar werden. Inzwischen tauchen innovative digitale Projekte als Hoffnungsschimmer auf, während zahlreiche Unternehmen weiter von kompizierten Verfahren und kurzfristigen Neuregelungen ausgebremst werden.

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