Pflicht-Betriebsrente: Fuest mahnt vor neuen Bürden für Unternehmen

Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts, steht dem Vorstoß des DGB für eine verpflichtende Betriebsrente aufgeschlossen gegenüber – gibt aber zu bedenken, dass eine solche Maßnahme nicht ohne Folgen für die Unternehmen bliebe.

heute 07:23 Uhr | 2 mal gelesen

Um eines direkt klarzustellen: Die Idee, die Betriebsrente zu stärken, klingt erst einmal vernünftig. Vor allem in Zeiten, in denen die gesetzliche Rentenversicherung durch den demografischen Wandel ins Schlingern gerät. Der Münchner Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht eine generelle Sinnhaftigkeit in solchen Plänen, äußert aber deutliche Bedenken, wenn es um die praktische Umsetzung geht: Wenn Arbeitgeber gezwungen werden, diese Vorsorge zum Teil mitzufinanzieren, reden wir im Endeffekt von höheren Lohnkosten – und die sind ohnehin schon nicht unerheblich. Ehrlich gesagt, wird es vielen Unternehmen aktuell schwerfallen, noch größere Sprünge bei den Personalkosten zu machen. Deutschland fährt wirtschaftlich auf Sicht, alles wird teurer, und jede zusätzliche Pflicht – sei sie noch so solidarisch gemeint – könnte schnell das Gegenteil erreichen. Der Hintergrund: Der Deutsche Gewerkschaftsbund schlägt eine verpflichtende Betriebsrente für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor. DGB-Chefin Yasmin Fahimi betont, dass dies nur als Ergänzung zur gesetzlichen Rente angesehen werden soll und ausdrücklich eine Arbeitgeber-Beteiligung vorsieht. Immerhin, und das ist nicht zu unterschätzen: Gerade einmal 20 Millionen Beschäftigte verzichten laut DGB in Deutschland aktuell komplett auf eine betriebliche Altersvorsorge. Diese Lücke zu schließen, wäre sozialpolitisch kein kleiner Wurf – aber die Debatte um Machbarkeit und Kosten wird damit noch lange nicht obsolet.

Der Vorschlag einer verpflichtenden Betriebsrente stößt in politischen und wirtschaftlichen Kreisen auf geteilte Reaktionen. Während der DGB betont, dass angesichts der alternden Gesellschaft eine zusätzliche Säule dringend nötig ist, befürchten Wirtschaftsvertreter wie Clemens Fuest zusätzliche Belastungen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen weiter schwächen könnten. Neuere Analysen verschiedener Medien heben hervor, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen Schwierigkeiten bekommen könnten, wenn sie künftig stärker in die betriebliche Altersvorsorge einbezogen werden – gleichzeitig aber viele Arbeitnehmer berechtigterweise auf mehr Sicherheit im Ruhestand pochen. Laut einer aktuellen Umfrage begrüßen viele Beschäftigte verbindliche Regelungen zur Betriebsrente, befürchten jedoch einen Abbau anderer Sozialleistungen. In den letzten Tagen haben mehrere Zeitungen und Online-Magazine die Debatte in überraschender Detailtiefe beleuchtet und auch internationale Modelle verglichen.

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