Podcast „NS-Cliquen“ startet in die dritte Runde – MDR lädt zur Diskussion nach Halle ein

MDR bringt eine dritte Staffel seines Podcasts „NS-Cliquen: Von Menschen und Mördern“ an den Start. Neue Episoden erscheinen wöchentlich bei ARD Sounds, die erste ist schon online. Begleitend lädt MDR am 25. Juni 2026 zu einer Diskussionsrunde ins Funkhaus Halle – Gäste willkommen.

heute 16:23 Uhr | 2 mal gelesen

Die Präsentation der vollständig erschlossenen NSDAP-Mitgliederkartei lenkt das Augenmerk gerade wieder verstärkt auf die Verstrickungen unterschiedlichster Menschen in das nationalsozialistische Verbrechen. Die neue Staffel des Podcasts rollt teils vergessene Biografien auf; im Mittelpunkt: Individuen, deren Lebenswege sie zu Tätern oder Unterstützern des NS-Apparats machten. Überraschend: Oft verschwimmen die Linien zwischen Mitläufer, Fanatiker und Profiteur. 2024 rückt dabei insbesondere das Jahr 1941 ins Scheinwerferlicht – mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion und den folgenden ungeahnten Gewalt-Explosionen. Durch die Geschichten von fünf Einzelschicksalen – sorgfältig recherchiert von Historiker Dr. Stefan Hördler und Wissenschaftsjournalistin Janine Funke – wird klar: Gewalt in Diktaturen entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie braut sich zusammen, aus Ideologie, Gruppendruck, Gelegenheit – und manchmal ganz banalen Gründen. Das ist oft schwer zu fassen, aber genau das macht den Podcast so packend. Die erste neue Episode greift die Lebensgeschichte von Ludolf-Hermann von Alvensleben auf – ein Adeliger, der früh beim „Volksdeutschen Selbstschutz“ Karriere macht, für Massaker im besetzten Polen verantwortlich ist und mit erschreckender Leichtigkeit an der Ermordung unzähliger beteiligt war. Eine weitere Folge nimmt den ostfriesischen Lehrer Jakobus Onnen ins Visier. Er ist auf Fotos zu sehen, wie er offensichtlich an Mordaktionen beteiligt ist. Auch Gerhard Palitzsch, ein SS-Mann aus Sachsen, der beim Morden mit Gas im KZ Auschwitz „Experimente“ leitet, bekommt eine eigene Folge – sein tiefer Fall illustriert, wie selbst unter den Tätern Abgründe klaffen. Wichtig: Der Podcast entstand in Zusammenarbeit mit Studio Schumann für den MDR, Konzeption und Redaktion übernehmen Susann Reich und Andrea Besser-Seuß. Zum Start der neuen Staffel lädt der MDR am 25. Juni (18:00 Uhr), ins Funkhaus Halle, zur Diskussion mit Expertinnen und Experten. Auf dem Podium: Dr. Stefan Hördler (bekannt unter anderem durch seine Gutachtertätigkeit bei NS-Verfahren), Marc Baumgart (persönlicher Betroffener mit familiärer SS-Vergangenheit) und Dr. Yves Müller, Soziologe mit dem Fokus auf familiäre Erinnerungskulturen. Interessierte werden gebeten, sich bis 24. Juni (siehe Anmeldelink) zu registrieren. Alle Folgen der ersten beiden Staffeln sind weiterhin auf ARD Sounds abrufbar. Auch Medienvertreter sind herzlich eingeladen, um Anmeldung wird gebeten.

Die dritte Staffel des MDR-Podcasts „NS-Cliquen“ setzt sich mit bisher wenig beleuchteten Biografien auseinander und wirft ein Licht auf Mechanismen des Täterwerdens im Nationalsozialismus – besonders nach dem Überfall auf die Sowjetunion. Durch exklusive Quellenauswertung, Interviews und Analysen von Historiker:innen wird deutlich, wie Gewalt, politische Überzeugung und Gruppendynamiken ineinandergreifen. Neuere Berichte heben hervor, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vor dem Hintergrund wachsender rechter Strömungen in Deutschland drängender wird: Einzelne Zeitungen bringen Debatten zur Erinnerungskultur und berichten von Initiativen, die NS-Belastungen in Familien aufarbeiten. Zudem gibt es eine verstärkte Diskussion darüber, wie Medienformate wie Podcasts historische Bildung zugänglich machen und jüngere Zielgruppen erreichen können. In aktuellen Nachrichten wird zudem ständig über den wachsenden Antisemitismus, Gedenkkultur und den Umgang mit NS-Erbe in Schulen und Öffentlichkeit diskutiert.

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