Preisjagd am Limit: Junge bleiben ihren Handyanbietern plötzlich treu

Nach einem wilden Wechselboom in den letzten Jahren hat sich der Schweizer Mobilfunkmarkt merklich beruhigt. Zum Erstaunen vieler zeigen gerade die jungen Erwachsenen ungewohnte Beständigkeit: Nur noch knapp ein Drittel hat zuletzt den Anbieter gewechselt – ein rascher Wandel gegenüber den Vorjahren.

heute 08:51 Uhr | 3 mal gelesen

Wer hätte das gedacht? Wo Schweizer Jugendliche bis vor kurzem beim kleinsten Tarifknaller reflexartig zur Konkurrenz jumpen, herrscht seit 2025 auffällige Ruhe auf dem Handymarkt. Die Vergleichsplattform bonus.ch hat über 3500 Meinungen eingeholt, und die Ergebnisse? Nun ja, das ewige Wechselfieber kühlt ab. Von 2023 auf 2026 ist die Zahl derer, die ihrem Anbieter fünf Jahre und mehr treu bleiben, wieder gestiegen – von mageren 48 Prozent (2024) zurück auf 54 Prozent. Immerhin, noch entfernt vom goldenen Loyalitäts-Zeitalter 2015, wo fast sieben von zehn einfach blieben, wo sie waren. Neukunden-Anteil? Im Sinkflug: Von 28 Prozent (2024), die sich in den zwei Jahren vor der Umfrage einen neuen Anbieter suchten, schrumpfte der Wert bis 2026 auf 23 Prozent. Klar höher als das Minimum von 2015, aber der Akku für ewige Wechsel-Laune scheint leer. Vielleicht hat der Preiskampf zu sehr auf die Marge gedrückt. Man bekommt ja mittlerweile für ein Butterbrot Smartphone-Flatrates samt Ausland-Paketen – aber die Kalkulation der Anbieter wird eng. Preiserhöhungen bei Salt, Swisscom oder Sunrise deuten es ohnehin schon an. Gerade bei der 'Next-Gen' – sonst immer erste an der Wechsel-Front – ist Zurückhaltung zu beobachten: Der Wechselanteil bei unter 30-Jährigen sackte von griffigen 52 Prozent (2024) auf schlappe 30 Prozent nur zwei Jahre später. Je älter, desto sesshafter – das bleibt: Bei über 60-Jährigen gerade mal 23 Prozent. Auch regional flippt die Sache: Italienische Schweiz? 59 Prozent bleiben über fünf Jahre treu. Die Deutschschweiz? Wechselfreudiger, hier geben sich fast 27 Prozent in zwei Jahren einen neuen Deal. Wer dominiert? Die klassischen Riesen (Swisscom & Co.) halten ihre älteren Fans, vergraulen aber die Wechsler; nur 7 Prozent der Swisscom-Kundschaft ist dort neu dabei. Die neuen „Schnäppchenjäger“-Marken heißen Yallo oder CoopMobile: Sie locken weit mehr als die Hälfte ihrer Nutzer als Neukunden binnen zwei Jahren. Aber: Fast jeder zweite, der den Sprung wagt, macht es wegen einem besseren Angebot. Apropos Preise: Inzwischen zahlen knapp die Hälfte aller Nutzer unter 40 Franken für ihren Vertrag. Noch vor zehn Jahren schaffte das kaum jeder Vierte. Und auch die Gesamtstimmung hat sich gedreht: Die große Mehrheit empfindet das Preis-Leistungs-Verhältnis als völlig in Ordnung, Unzufriedene sind zur Minderheit (11 Prozent) geschrumpft – ein fast schon märchenhafter Wert nach den Jammerquoten von einst. In der aktuellen Bewertung liegt übrigens ein Überraschungs-Anbieter vorn: spusu, der erst 2024 gestartet ist, heimst nun die beste Zufriedenheitsnote aller Zeiten ein (5.6 von 6). Lidl Connect hält Platz zwei, danach rücken fünf weitere kleinere Anbieter aufs Podium. Wer lang sucht, findet alle Noten und Details bei bonus.ch.

In den letzten zwei Jahren zeichnete sich ein wesentlicher Wandel im Schweizer Mobilfunkmarkt ab: Der Wechselhunger der Verbraucher, speziell unter den Jüngeren, scheint gestillt. Die jüngsten Umfrageergebnisse von bonus.ch belegen, dass aggressive Preiskämpfe zwar früher massenhaft zu Anbieterwechseln geführt haben, deren Effekt aber an seine Grenzen stößt. Immer mehr Kundinnen und Kunden – nicht nur die Älteren, sondern inzwischen auch viele unter 30 Jahre – zeigen stattdessen eine wachsende Loyalität zu ihrem bestehenden Anbieter. Zwar bleibt der Anteil der Wechselwilligen höher als noch vor rund einem Jahrzehnt, doch das Niveau hat sich stabilisiert. Harsche Aktionen nach dem Motto „billiger, besser, mehr“ verlieren ihre Zugkraft, auch weil Preiserhöhungen das Ende der ultra-aggressiven Angebote einläuten könnten. Interessant bleibt die Kluft zwischen den Regionen: In der italienischen Schweiz sind die Menschen besonders anbietertreu, während in der Deutschschweiz Wechselfreude weiter ausgeprägt bleibt. Die Konzentration von Neukunden auf preisaggressive Anbieter wie Yallo und CoopMobile verstärkt zusätzlich den Innovationsdruck auf die großen Unternehmen. Laut der aktuellen bonus.ch-Umfrage ist die Kundenzufriedenheit so hoch wie nie – und das sogar bei jüngeren Abonnenten, für die bislang vor allem das neueste und günstigste Angebot im Vordergrund stand. Neue Details aus aktuellen Medienberichten: In den letzten 48 Stunden berichteten verschiedene Medienhäuser von einer weiterhin angespannten finanziellen Lage der Netzbetreiber, ausgelöst durch steigende Betriebskosten und den anhaltenden Druck zur Infrastrukturmodernisierung. Zugleich wächst die Zahl der Menschen, die auf nachhaltigere und transparentere Anbieter achten, wie etwa kürzlich in einer Untersuchung der FAZ und der Süddeutschen hervorgehoben wurde. Zudem arbeiten etablierte Player wie Swisscom und Sunrise laut jüngsten Pressemeldungen daran, durch Innovation in 5G und Öko-Tarife wieder attraktiver für Wechselkunden zu werden.

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