Heute, an einem gewöhnlichen Dienstag, wirkte es fast nebensächlich: Die Alterssicherungskommission hat der Bundesregierung ihre Vorschläge zur Rentenreform ausgehändigt. Ein Schritt, der im politischen Berlin vielleicht Routine ist. Doch nicht jeder winkt diese Empfehlungen einfach durch. Auffällig: Der Fokus des Berichts liegt schwergewichtig auf der gesetzlichen Rente.
Melde sich Melanie Jura, Vorständin der HAPEV, zu Wort, klingt das anders. Ihr fehlt die breite Perspektive – besonders die betriebliche Altersversorgung (bAV), also die zweite große Stütze vieler Rentenbiografien, bleibt nach ihrem Empfinden unterbeleuchtet. Jura betont: "Es reicht nicht, an einzelnen Stellschrauben der staatlichen Rente zu drehen und gleichzeitig den großen Rest zu ignorieren." Statt ständig über steuerliche Anreize für kurzfristige Auszahlungspläne zu reden, sollte man endlich das Gesamtkonzept Alterssicherung auf lange Sicht stärken.
Immerhin: Jura sitzt am Puls der Praxis. Durch den täglichen Austausch mit Firmen und Beschäftigten spürt sie, wie die Erwartungen klaffen. Unternehmen wie Coca-Cola, Deichmann oder Metro verlassen sich auf die Expertise der HAPEV, einem der Schwergewichte für betriebliche Altersvorsorge in Deutschland. Juras Netzwerk reicht tief – und ihre Kritik dürfte vielen in der Branche wie aus dem Herzen sprechen.
Besonders am Herzen liegt ihr: Ohne mehr kapitalgedeckte Vorsorgemodelle – so wie sie sich in der bAV etabliert haben – wird die Rentenreform nicht tragfähig. Betriebliche Modelle puffern nämlich das Langlebigkeitsrisiko, bieten kollektive Sicherheit und richten sich eng an den Bedürfnissen von Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen aus. "Will man den Lebensstandard im Alter wirklich sichern, führt kein Weg an einer gestärkten zweiten Säule vorbei", so ihre klare Haltung.
Melanie Jura ist jedenfalls keine Theoretikerin – sie bringt Entwicklungen, Politik und Alltagsrealität an einen Tisch. Als Ansprechpartnerin für Medien und Politik nimmt sie kein Blatt vor den Mund, wenn es um Generationengerechtigkeit und die Folgen möglicher Reformen geht.
Wer oder was steckt hinter der HAPEV? Die Hamburger Pensionsverwaltung ist nicht nur einer der größten Anbieter von betrieblicher Altersvorsorge in Deutschland – sie managt das Thema seit beinahe drei Jahrzehnten für Tausende von Unternehmen und über eine Million Vorsorgekonten. Zu ihren "Kunden" zählen Unternehmen von REWE über Ferrero bis Saturn, und sie übernimmt neben Verwaltung auch mathematische und strategische Beratungen.
Mit speziellen Versorgungseinrichtungen wie der traditionsreichen Hamburger Pensionskasse und der Pensionsrückdeckungskasse betreut HAPEV unterschiedlichste Belegschaften – vor allem in Branchen wie Handel und Ernährung, aber längst auch darüber hinaus. Seit Jahren wachsen ihre Aufgaben, aktuell betreut HAPEV über 800.000 Mitglieder allein bei der größten Pensionskasse. Auch Konzerne wie TUI, Deutsche Bahn oder Continental vertrauen auf das Fachwissen der Hamburger.
Melanie Jura, Vorstand bei HAPEV und Expertin für Altersvorsorge, kritisiert die einseitige Ausrichtung der Alterssicherungskommission auf die gesetzliche Rente und fordert ein Umdenken hin zu einer reformierten Altersvorsorge, die gesetzliche, betriebliche und private Säulen gleichermaßen einbezieht. In Fachkreisen gilt die Vernachlässigung der betrieblichen Vorsorge als große Schwäche, da gerade die bAV langfristige Sicherheit und kollektiven Schutz vor Altersarmut bieten kann – besonders relevant im Kontext des demografischen Wandels. Neuere Diskussionen zeigen zudem, dass die Bundesregierung jüngst erste Gespräche mit Sozialpartnern und Versicherungen aufgenommen hat, um die Rahmenbedingungen für die bAV auszubauen und steuerliche Anreize zu modernisieren, was auf breite Zustimmung bei Unternehmen stößt (Quelle: zahlreiche Fachartikel von t3n.de und sueddeutsche.de). Die aktuelle Reformdiskussion ist geprägt von der Sorge, dass Einzelmaßnahmen das Rentensystem fragmentieren, statt es systematisch und generationengerecht zu stärken.