Hilfe auf dem Rückzug: Thailands Geflüchtete und HIV-Kranke im Schatten des USAID-Stopps

Bangkok – Über viele Jahre hinweg flossen Gelder aus dem US-Entwicklungshilfetopf (USAID) nach Thailand. Damit wurden maßgeblich die Versorgung von Geflüchteten aus Myanmar, der Kampf gegen AIDS und Malaria sowie Programme gegen Menschenhandel unterstützt. Fast schon selbstverständlich: Die große Mehrheit der humanitären Hilfe an der Grenze zu Myanmar speiste sich zuletzt aus diesen Mitteln. Doch plötzlich fällt das Sicherheitsnetz weg.

heute 13:00 Uhr | 5 mal gelesen

Rund 85 Millionen US-Dollar, die Thailand 2024 zugesagt wurden – wohin sollen sie jetzt fehlen? Besonders dramatisch zeigt sich die Lage vor allem in Geflüchtetenlagern an der Grenze zu Myanmar, wie Sawai Juntanoi, Koordinator der SOS-Kinderdörfer, schildert: 'Alle trifft es hart, aber Kinder, vor allem allein reisende, schweben in Lebensgefahr.' Die Kürzungen treffen Präventionsprogramme, etwa beim Kampf gegen HIV, mit ungeahnter Wucht. Wo zuvor jugendfreundliche Aufklärung lief, wachsen Unsicherheit und Risiko. Ungeschminkt gesagt: Ohne Prävention steigt die Chance auf Neuinfektionen, gerade unter Jugendlichen, und die erreichten Erfolge – wie weniger Mutter-Kind-Übertragungen – drohen zu verpuffen. 580.000 Menschen in Thailand leben mit dem HI-Virus, erschreckend viele Jugendliche stecken sich neu an.

Doch nicht nur HIV-Betroffene geraten in Not. Geflüchtete – etwa die rund 1,3 Millionen Menschen aus Myanmar – mussten 2024 erleben, wie Lieferungen von Lebensmitteln und Medizin seitens humanitärer Organisationen ausdünnten oder ganz stoppten. Über 100.000 Menschen, die teils jahrelang in Camps ausharren, stehen buchstäblich mit leeren Händen da.

Speziell Kinder zahlen den höchsten Preis – die Mischung aus Hunger, mangelnder Schulbildung, krank werdenden Eltern und viel zu wenig Schutz produzieren Risiken wie frühe Zwangsehen, Kindesmissbrauch oder Ausbeutung. Der politische Versuch, ihnen mehr Autonomie zuzugestehen (sie dürfen nun arbeiten), ist vielleicht gut gemeint, reicht aber bei Weitem nicht. Wie bringt man einen heiß laufenden Motor mit leerem Tank zum Durchhalten? Das ist die berechtigte Sorge vieler NGOs – und die Hoffnung, dass andere Staaten in die Bresche springen und Thailand nicht im Stich lassen.

Hintergrund: Die globale US-Entwicklungshilfe-Schrumpfkur betrifft nicht nur Thailand. Auch Länder in Afrika und Südamerika ächzen; laut 'The Lancet' drohen in Folge der Kürzungen millionenfache Kinderleben verloren zu gehen, die Sicherheitslage in manchen Regionen könnte kippen. Zu einem halben Satz sei noch gesagt – Entscheidungen, die in Washingtons Ministeriumsfluren fallen, treffen Kinder am anderen Ende der Welt.

Der abrupte Stopp der amerikanischen Entwicklungshilfe bringt vor allem Thailands vulnerable Gruppen, besonders Geflüchtete aus Myanmar und Jugendliche mit HIV-Risiko, in existenzielle Schwierigkeiten. Laut jüngsten UN-Angaben drohen ganze Camps an der Grenze zu Myanmar in eine Hunger- und Gesundheitskrise zu rutschen, weil Organisationen mangels Geld kaum noch Versorgung bieten können. Die thailändische Regierung versucht gegenzusteuern – beispielsweise mit einer gelockerten Arbeitsregelung für Geflüchtete –, aber: Laut aktuellen Recherchen internationaler Medien wird das Ausmaß der Kürzungen in der Praxis unterschätzt und lokale Hilfsorganisationen fühlen sich von der Weltgemeinschaft zunehmend alleine gelassen. In aktuellen Beiträgen der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung', der 'taz' und der 'Süddeutschen Zeitung' wird vor den gesellschaftlichen und gesundheitlichen Kettenreaktionen in ganz Südostasien gewarnt. Die WHO betont explizit die Gefahr rückläufiger Impf- und Behandlungsraten bei HIV und anderen Krankheiten. Deutsche Hilfswerke und NGOs wie Ärzte ohne Grenzen mahnen eine schnelle und deutlichere internationale Unterstützung an, da das US-Vakuum die Erfolge langjähriger Entwicklungsarbeit ernsthaft gefährde.

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