RWE peilt konsequent das Ende der Kohleverstromung für 2030 an – ein bemerkenswerter Schritt, würde man sagen. Markus Krebber, Chef des Energieriesen, hat im Gespräch mit der 'Rheinischen Post' durchblicken lassen, wie hoch die Spannung ist: Trotz politischem Zickzackkurs arbeitet RWE längst an der Planung für drei Gigawatt neue Gaskraftwerke. Aber damit diese auch rechtzeitig stehen, braucht es bis spätestens Q1 2026 faire und überschaubare Ausschreibungen – und dass die Pläne in Brüssel durchgewunken werden.
Sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch bei RWE ist man sich im Grundsatz einig, dass mit der Kohle Schluss sein soll. Allerdings schwingt auch Skepsis mit: Sollte es bis 2026 anders kommen, wäre Garzweiler als Kohletagebau notfalls länger am Netz. Doch nur unter klaren Bedingungen, wie Krebber betont – sprich: Wenn Kraftwerke auf Standby bleiben, muss der Staat die Reserve organisieren, Kosten decken und CO2-Zertifikate aufbringen.
Personaltechnisch zeigt sich RWE flexibel: Niemand wird aus dem Ruhestand reaktiviert, aber es würden eventuell weniger Beschäftigte als geplant 2030 den Betrieb verlassen. Derzeit beschäftigt RWE rund 6.000 Menschen im Bereich Braunkohle; bis 2030 soll diese Zahl ein gutes Stück auf etwa 2.000 schrumpfen. Für die anstehende Ausschreibung wünscht sich Krebber einen schlanken Prozess. Die Vorschrift, ab wann Erdgas durch Wasserstoff ersetzt werden muss, will er lieber dem Markt überlassen, nicht der EU-Regelwut. Klare Investitionssicherheit und eine Mindestvergütung für das gelegentliche Einspringen der Gaskraftwerke sieht er ebenfalls als notwendig an – nur so könnten wirklich die besten, sprich: wirtschaftlichsten, Anbieter das Rennen machen.
RWE steht unter Druck – 2030 soll Schluss mit Kohleverstromung sein, doch der Weg dorthin ist voller Unsicherheiten. Die Bundesregierung bereitet derzeit eine Kraftwerksstrategie vor, die den Ersatz alter Kohlemeiler durch moderne, flexible Gaskraftwerke (‚H2-ready‘) ermöglichen soll, gleichzeitig arbeitet das Bundeswirtschaftsministerium an den notwendigen Beihilfegenehmigungen bei der EU. Zuletzt wurde bekannt, dass sich die Gespräche mit Brüssel verzögern und es Unklarheiten über die Bedingungen einer Umrüstung auf Wasserstoff gibt – dabei fordern sowohl Energiebranche als auch Teile der Politik mehr Pragmatismus und eine kalkulierbare Vergütung, um Investoren nicht zu verschrecken. Deutsche Energieversorger, darunter auch EnBW und E.ON, sehen wie RWE das Risiko, dass Versorgungsengpässe drohen, falls sich die Transformation verzögert; am Arbeitsmarkt sorgt der Strukturwandel für Anspannung, zumal noch unklar ist, wie viel Personal tatsächlich nach 2030 im Kohlebereich gebraucht wird. In den letzten 48 Stunden fokussieren Medienberichte auf genau diese Unsicherheiten, auf Verzögerungen in der Kraftwerksstrategie sowie die Sorge um die Versorgungssicherheit im Winter – und die Frage, ob der Kohleausstieg tatsächlich zu halten ist.