Die Debatte um eine künftige Koalition aus Grünen und Union ist keineswegs eine fixe Idee aus dem politischen Hinterzimmer. Tatsächlich sprechen gleich mehrere führende Grüne in Landes- und Bundespolitik ganz offen darüber. Aminat Touré, Vizeministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, hält Schwarz-Grün auf Bundesebene für eine echte Option. Es gehe aber nicht um große Visionen, sondern darum, ganz nüchtern ein paar der dringendsten Probleme gemeinsam anzugehen. Immerhin funktioniere das in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen schon recht passabel, zumindest laut Aussagen von Beteiligten.
Danyal Bayaz, Finanzminister in Baden-Württemberg, sieht ebenfalls Chancen, wenn beide Seiten bereit seien, Themen wie Rente und den flexiblen Arbeitsmarkt gemeinsam „anzupacken“. Wer ohnehin schon an der Macht sei, so meint er, könne sich nicht in der Fundamentalopposition einrichten – ein interessanter Seitenhieb gegen Teile der eigenen Partei.
Katharina Dröge, grüne Fraktionsvorsitzende im Bundestag, gibt einen Einblick in die Chemie mit der CDU in NRW: Dort laufe die Zusammenarbeit verlässlicher als mit der oft unberechenbaren Merz-CDU im Bund. Fast klingt es, als biete NRW ein bisschen politische Geborgenheit, während es im Berliner Regierungsviertel rauer zugeht. Dröge setzt auf persönliche Beziehungen über Parteigrenzen hinweg, auch wenn die Differenzen teils sehr groß sind. Gerade deshalb sei es wichtig, ehrlich und glaubwürdig zu verhandeln, sagt sie.
Hinter verschlossenen Türen wird offenbar schon getestet: Medienberichten zufolge trafen sich Abgeordnete von CDU/CSU und Grünen in kleiner, lockerer Runde zum politischen Austausch in Berlin. Offiziell nennt sich das nicht Pizza-Connection, aber es liegt schon der Duft von Zusammenarbeit in der Luft. Ob daraus ein offizielles Bündnis erwächst? Ganz sicher scheint das niemand – aber auch nicht ausgeschlossen. Es bleibt spannend.
Führende Politikerinnen und Politiker der Grünen geben öffentlich zu erkennen, dass eine Koalition mit der Union auf Bundesebene grundsätzlich möglich wäre. Ihre positiven Erfahrungen aus mehreren Bundesländern dienen ihnen dabei als Vorbild; dort klappt die Zusammenarbeit überraschend reibungslos. Die Parteien sondieren im Hintergrund bereits Möglichkeiten, auch weil sich die CDU in Berlin offenbar neue Partner vorstellt – ein Kurswechsel, der zuletzt durch immer häufigere vertrauliche Treffen sichtbar wurde. Recherchen zeigen: Auch in Umfragen wächst das Interesse an einer schwarz-grünen Konstellation, besonders bei jüngeren Wählergruppen, die sich mehr Pragmatismus im politischen Alltag wünschen. Hinzu kommt, dass die Ampel-Koalition seit Monaten zu zentralen Fragen wie Migration, Wirtschaft und Sozialpolitik vor sich her dümpelt, was die Rufe nach neuen Bündnissen lauter werden lässt. Experten wie Politikwissenschaftler Thorsten Faas betonen allerdings, dass Differenzen etwa beim Thema Klima oder innere Sicherheit weiterhin Konfliktstoff bergen. Interessanterweise steht die Debatte unter intensiver Beobachtung – nicht nur innerhalb der Parteien, sondern auch von anderen demokratischen und oppositionellen Kräften, die genau hinsehen, wie tragfähig das Experiment Schwarz-Grün am Ende sein könnte.