Franziska Brantner, Co-Vorsitzende der Grünen, lässt kaum ein gutes Haar an der Außenpolitik der Regierung: Für sie lag das Debakel bei der Wahl um den UN-Sicherheitsrat schon lange in der Luft. Im Gespräch mit dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" kritisiert sie die fehlende Entschlossenheit und fragt, wie Deutschland noch für Werte stehen wolle, wenn es im entscheidenden Moment lieber schweigt. Besonders ärgerlich sei zudem, dass sich die Bundesregierung offenbar damit begnügt, in Konflikten am Spielfeldrand zu stehen – und beim Völkerrecht wegschaut, wenn es unbequem wird. Die Kürzung der Hilfsgelder wertet Brantner vor dem Hintergrund der globalen Krisen und dem Rückzug der USA aus der Entwicklungshilfe als weiteres Armutszeugnis.
Ähnlich deutlich äußert sich die Linken-Chefin Ines Schwerdtner: Für sie ist das Scheitern eine historische Pleite, wie sie T-Online gesteht. Noch nie sei Deutschland bei einer Kandidatur durchgefallen – und das sei vor allem die Konsequenz dafür, dass deutsche Politiker in Konflikten wie Gaza, Venezuela oder Iran nicht klar Stellung bezogen hätten. Gegen Völkerrechtsbrüche anderer Staaten schweigt Berlin zu oft, klagt sie an. Auch die Kürzung von Entwicklungshilfe sei ein schlechtes politisches Signal an die UN.
Beim Bündnis Sahra Wagenknecht fordert Vize Michael Lüders nach der "Ohrfeige" von der Weltgemeinschaft Konsequenzen bei Außenminister Johann Wadephul (CDU). Deutschland habe sich mit seiner einseitigen Nahost-Politik selbst ins Abseits manövriert. Entsprechend gehöre der "Moralweltmeister" nun auf die Zuschauerbank der internationalen Politik.
Deutschlands verpasstes Mandat im UN-Sicherheitsrat hat im politischen Berlin Unmut ausgelöst. Oppositionelle Stimmen werfen der Bundesregierung vor, das internationale Ansehen aufs Spiel gesetzt zu haben – durch zögerliche, oft selektive Außenpolitik und Kürzungen bei der humanitären Hilfe. Jüngste Recherchen internationaler Medien bestätigen, dass Deutschlands diplomatische Beziehungen insbesondere im globalen Süden zuletzt an Relevanz eingebüßt haben, auch durch eine als zu westlich empfundene Haltung zu Nahost-Konflikten und ein reduziertes Engagement bei Entwicklungshilfe und multilateraler Diplomatie.