Kaum eine Woche vergeht ohne neue Hiobsbotschaften aus der Ukraine: Allein in den letzten Tagen, so Selenskyj, hagelte es über 2.360 Angriffsdrohnen, mehr als 1.300 Lenkbomben und unzählige Raketen auf ukrainische Städte und Dörfer. Fast schon zynisch, wie weiterhin Dollars für russisches Öl gezahlt und damit – quasi ohne Umwege – direkt in die russische Kriegsmaschinerie gepumpt werden. Selenskyj malt ein düsteres Bild: 110 Tanker, getarnt, zwielichtig, vollbeladen mit rund zwölf Millionen Tonnen russischem Rohöl, dümpeln über die Weltmeere. Zehn Milliarden Dollar könnten so in Moskaus Kassen fließen – Futter für weitere Angriffe auf die Ukraine, wie er bilanziert. Nach seiner Einschätzung wäre ein radikaler Kurswechsel dringend nötig: Russische Öltransporte müssten aufgehalten werden, bestenfalls dürften diese Tanker überhaupt keinen Hafen mehr ansteuern. Es geht letztlich nicht nur um Zahlen und Öl – sondern, so klingt es zumindest zwischen den Zeilen, um das nackte Überleben seines Landes.
Selenskyj reagierte empört auf die jüngste Lockung der US-Sanktionen und sieht hierin einen fatalen Fehlanreiz für den Kreml: Während Russland weiterhin militärisch massiv gegen die Ukraine vorgeht, wird durch den internationalen Ölhandel die russische Kriegskasse gefüllt. Die Schattenflotte Russlands – bestehend aus über 110 Tankern – verkauft trotz Sanktionen weiter Öl. Recherchen von 'taz' und 'Spiegel' belegen, dass russisches Öl oftmals über Umwege auf den Markt kommt und so die Effektivität der Sanktionen untergräbt. Selenskyj fordert deshalb nicht nur härtere Sanktionen, sondern auch eine internationale Einigkeit beim Stopp des russischen Ölhandels, um der russischen Regierung finanziell die Kriegsgrundlage zu entziehen.